Ein schöner Ort zum Schreiben – der Schreibraum Münster von Eva-Maria Lerche

Vor ein paar Jahren hat Eva-Maria Lerche den Schreibraum Münster gegründet. Sie hat damit einen schönen Ort zum Schreiben ganz zentral in der Nähe des Ludgeriplatzes geschaffen. Seit wir uns kennen, arbeiten wir auch gerne bei Projekten zusammen und darf ich für meine eigenen Schreibwerkstätten ihren inspirierenden Kreativraum nutzen.

Liebe Eva, was war deine Idee hinter dem Schreibraum Münster?

Ich wollte einen Ort zum Schreiben schaffen, den ich selbst gestalten und einrichten kann, der nicht wie ein typischer Seminarraum aussieht und trotzdem oder gerade deshalb zum konzentrierten Arbeiten und Schreiben einlädt. Ich habe viele Jahre an einer ziemlich abgewrackten Uni gearbeitet, da ersticken schon die grauen Räume jede Kreativität und jeden klugen Gedanken. Und aus dieser Erfahrung weiß ich auch, dass Schreiben für viele mit negativen Erinnerungen an Schule oder Hochschule verbunden ist. Gerade Studierenden und Promovierende scheitern dann am Schreiben, obwohl sie richtig helle Köpfe sind. Mir ging es darum, ein Workshop- und Coachingangebot zu schaffen, das bewusst außerhalb der öffentlichen Bildungseinrichtungen angesiedelt ist und neue Schreiberfahrungen ermöglichst.

Textperimente im Kreativ-Haus stehen vor der Tür

Textperimente 2020 am 7. März im Kreativ-Haus in Münster

Die 3. Auflage der Textperimente steht vor der Tür. Ein Tag rund ums Kreative Schreiben – und es sind noch Plätze frei. Deshalb hat die liebe Kollegin Katja Angenent noch eine Pressemitteilung an die Münsteraner Medien verschickt. Hier ihre Infos:

Wortcollagen bei den Textperimenten im Kreativ-Haus MünsterFünf verschiedene Dozentinnen laden zum Tag rund um das geschriebene Wort

Wörter nutzen wir im Alltag ständig, aber ihr kreatives Potenzial bleibt uns meist verborgen. Dabei macht es großen Spaß, einfach mal mit Sprache, Buchstaben und Wörtern zu spielen! Und genau darum geht es bei den Textperimenten, die am Samstag, den 7. März, von 10 bis 16.30 Uhr im Kreativ-Haus in der Diepenbrockstraße 28 stattfinden. Fünf Münsteraner Dozentinnen laden zum kreativen Umgang mit Wörtern, Zeichen und Buchstaben ein. In den Workshops entstehen heitere, bunte, nachdenklich stimmende, skurrile oder auch rabenschwarze Wortbilder, Collagen oder ganze Geschichten. Die Teilnehmenden können jeweils vor- und nachmittags aus drei verschiedenen Angeboten auswählen. Zwischendurch gibt es eine heiße Suppe und nette Gespräche, und zum Schluss ist der Applaus für die entstanden Werke sicher.

„Gerade die bunte Mischung aus Bastel-, Kreativ- und Schreibangeboten macht den Reiz dieses besonderen Tages aus“, sagt Dr. Eva-Maria Lerche, eine der beiden Initiatorinnen der Textperimente.

Mörderisches Akrostichon

Akrostichon – das klingt wie eine Halskrankheit. Es ist allerdings ein kreativer Zeitvertreib, der viel Spaß machen kann. Man nehme ein Wort, schreibe die Buchstaben untereinander und nutze sie als Anfangsbuchstaben für neue Wörter. So kann ein kurzer Vers oder eine lange Geschichte entstehen, je nachdem, ob man nur jeweils ein Wort mit jedem Buchstaben bildet oder eine ganze Zeile. Oder man entwickelt zunächst nur einen kurzen Spruch und baut daraus eine längere Geschichte … So wie in diesem Beispiel:

Aus dem Wort Genie ergeben sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Mein Lieblingssatz: Gefrorene Entenbrüstchen Nerven Im Eintopf.

Und wenn sie sehr nerven, kann dabei schon mal Folgendes geschehen:

Es ist der Herd. Es liegt eindeutig am Herd. Dieses Mistding brennt mir zwar gerne die Finger an – und auch den Bodensatz am Topfboden fest – aber aufgetaut bekomme ich diese dämlichen Entenbrüste darauf nicht.

42,1975

Unser Marathon hatte zwar nur 30 Tage, aber auf 42,195 sind wir dennoch bei allem Möglichen gekommen: Tassen Tee pro Tag zum Beispiel. Und da ich das NaNoWriMo-Ziel verpasst habe, waren es bei mir am Ende 42.195 Wörter, die im November in meiner aktuellen Schreibdatei gelandet sind.

Abschlusslesung im Schreibraum

Und dieser Text. Mit ihm habe ich die Abschlusslesung vom 2. Kreativen Schreibmarathon eröffnet, Katja Angenent hat den kurzweiligen Abend moderiert, Eva-Maria Lerche, unsere Schreibraum-Gastgeberin, hat ihn mit ihrer Geschichte um einige tote Waldarbeiter beendet. Dazwischen gab es spannende, unterhaltsame, nachdenklich stimmende, komische und historische Texte von unseren Teilnehmerinnen.
Für uns war es ein toller Monat – auf die Neuauflage 2020 freuen wir uns schon sehr. Details dazu gibt es demnächst hier.

Sportlich, sportlich

„42,195“, sagt sie.
Zeitungsrascheln von der anderen Tischseite.

Selbstlektorat – Wie überarbeite ich meine eigenen Texte?

Wozu Selbstlektorat?

Warum die eigenen Texte lektorieren? Ich habe beim Schreiben doch schon das Beste gegeben! Ja, aber zu feilen gibt es noch lange etwas – und auch wenn man Testlesende oder vielleicht sogar ein professionelles Lektorat ins Boot holt, ist es gut, die eigenen Texte so geschliffen wie möglich rauszugeben, damit die Außenlesenden sich auf die tieferen, versteckteren Dinge konzentrieren können.

Beim Überarbeiten der eigenen Texte stößt man jedoch schnell auf eine Schwierigkeit: Man wird betriebsblind für die eigenen Stärken und Schwächen, unsicher, was tatsächlich großartig ist und was einer Bearbeitung bedarf. Deshalb hier ein paar Hilfestellungen, wie man ans Lektorieren der eigenen Geschichten herangehen kann. Diese und weitere Tipps erscheinen in einer Artikelreihe im Schreibnewsletter The Tempest in drei Teilen von November bis Januar. Hier ein paar Auszüge daraus:

Schöne Schreiborte: Gartensofa

So ein Gartensofa lädt zum Lesen, Plaudern und Verweilen ein – aber eben auch zum Schreiben.

Ein Lieblingsort mit Lieblingsnotizbuch und Lieblingsstift, gerne Lieblingstee oder Lieblingsmilchkaffee oder Lieblingsschorle …

Ansonsten schreibe ich gerne:

Tanzen und Schreiben

Katarina Pollner ist Autorin und Schreibtrainerin sowie Trainerin für ENERGY DANCE®. Diese Leidenschaften hat sie in einem Workshopkonzept verbunden, das ich auch schon bei ihr erleben durfte und von dem ich schlichtweg begeistert bin: „Tanzen und Schreiben“.

Katarina-Pollner-fotografiert-von-Ruth-Frobeen

In diesen Workshops wird – wie der Name schon sagt – getanzt und geschrieben. Die Bewegung aktiviert die Kreativität immer wieder neu und führt im Idealfall dazu, dass man einen Schreibflow erlebt. Es ist eine tolle Möglichkeit, gemeinsam mit anderen kreativ zu sein. Wie sie auf die Idee gekommen ist, diese beiden Bereiche miteinander zu verknüpfen und wie die Bewegung beim Tanzen das Schreiben inspirieren kann, davon hat sie mir in einem Interview erzählt. Hier ein Auszug:

Als Schreibtrainerin und Schreibende befasse ich mich damit, wie wir leichter Zugang zu Inspiration und Kreativität finden können. Im Zentrum steht die Frage, wie wir das überwinden können, was uns daran hindert, frei und furchtlos zu schreiben: in erster Linie unsere Zweifel und einschränkende Vorstellungen davon, wie wir schreiben sollten. Am besten gelingt das im Flow, einem Zustand, in dem wir eins sind mit dem, was wir tun, und das Gefühl für Zeit und Raum verlieren. Wer einmal Flow erfahren hat, weiß, was ich meine. Sowohl beim Tanzen als auch beim Schreiben kann sich Flow einstellen, wenn ich mich einlasse und loslasse.

Genre-Überblick von Schreibtrainerin Anette Huesmann

Die Schreibtrainerin Anette Huesmann erklärt in ihrem aktuellen Ratgeber „Buchgenres kompakt“ alles, was es für Autorinnen und Autoren zu diesem Thema zu wissen gibt. In ihrem Fachbuch erläutert sie, wie Genres entstanden sind und warum es diese Unterscheidungen gibt. Für alle, die sich mit dem Kreativen Schreiben beschäftigen, ist es eine gute Hilfestellung, um sich einen Überblick zu verschaffen und die eigenen Texte einordnen zu können. Denn auch wenn wir uns nicht gerne in Schubladen stecken lassen – wer veröffentlichen möchte, muss seine Texte einer klaren Kategorie zuordnen, damit sie für Verlage interessant sind und später in Buchhandlungen auch vermarktet, sprich einsortiert, werden können.

Wo verlaufen die Grenzen zwischen den Genres und Subgenres?

Auf der einen Seite erleichternd, auf der anderen Seite erschwerend: Texte lassen sich nicht so leicht in Schubladen einordnen, viele verstehen unter demselben Begriff andere Geschichten oder nutzen verschiedene Begriffe für dieselbe Geschichte. Dennoch bieten Einteilungen für alle, die mit Büchern zu tun haben, eine gute Orientierung. Aus Anette Huesmanns Klappentext:

Genres zeigen, was Bücher gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Die Entwicklung der Genres im Laufe der Jahrhunderte lässt Erzähltraditionen sichtbar werden: Wo liegen die Wurzeln wichtiger Themen, was erzählten die Bücher dieser Genres früher und was erzählen sie heute?

Eindeutige und klar abgrenzbare Definitionen der Genres und Subgenres gibt es nicht. Viele Bezeichnungen sind im Laufe von Jahrhunderten im allgemeinen Sprachgebrauch entstanden, es finden sich Ungenauigkeiten und Überschneidungen.

Haben alle Romane eine Daseinsberechtigung?

Interview fürs Alumni-Magazin der WWU

„Den Schreibmuskel kann man trainieren“

– so lautet unsere gemeinsame Grundeinstellung beim Kreativen Schreiben. Eva-Maria Lerche vom Schreibraum Münster, die Autorin Katja Angenent und ich kooperieren seit gut zwei Jahren miteinander. Wir leiten Kurse gemeinsam, besuchen gegenseitig unsere Schreibwerkstätten, dürfen im Schreibraum zu Gast sein und entwickeln spannende Projekte zusammen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann etwas über unseren Schreibmarathon lesen oder die Textperimente im Kreativ-Haus.

Schreibraum-Münster-WWU-Thomas-MohnDass wir alle einmal an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster studiert haben – wenn auch nicht gleichzeitig und in verschiedenen Fachbereichen – war dabei nie Thema. Dr. Nora Kluck als Projektkoordinatorin des Alumni-Clubs der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat das beim 1. Kreativen Schreibmarathon im Schreibraum Münster im November 2018 aufgegriffen und uns nun zu unserem Studium, unseren Erfahrungen und unserer Zusammenarbeit befragt.

Märchen-Umschreibungen von Nina Bodenlosz

Im Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen, ist das gegenseitige Bewichteln mit Blogbeiträgen eine gute Tradition. Meine liebe Kollegin Nina Bodenlosz hat mir Fragen rund um ihre Märchen-Umschreibungen beantwortet. Ihr aktuelles Buch, „Dornröschen, wir müssen reden“, habe ich auch Ende 2018 als Weihnachtsgeschenk empfohlen – umso mehr freue ich mich, dass sie uns nun einen Blick hinter die Kulissen ihrer Umschreibungen gewährt:

Seit wann schreibst du Geschichten rund um Märchen? Wie ist es dazu gekommen?

Katarina-Pollner-fotografiert-von-Ruth-FrobeenDas Spiel mit bekannten Motiven und Figuren fasziniert mich schon längere Zeit. Regelmäßig befasse ich mich mit Märchenumschreibungen seit ein paar Jahren. Ich hatte mit einer Runde Autorinnen die Vereinbarung, jede Woche einen (kurzen) Text zu schreiben und den anderen zu schicken. Niemand war verpflichtet, alle sogenannten Montagstexte zu lesen oder zu kommentieren. Die Verabredung sollte lediglich als Motivationsschub dienen. Tatsächlich schrieb ich viel in diesem Jahr, auch wenn das Schreiben schwierig wurde oder viele andere Dinge zu tun waren. Auf der Suche nach wöchentlichen Themen kam ich aufs Märchen. Mit Leichtigkeit und Vergnügen schrieb ich etliche Märchen um – verdrehte die Handlung, änderte die Hauptfigur oder setzte einen neuen Rahmen. Und je mehr Märchen ich mir vornahm, desto mehr faszinierte mich diese Arbeit.