Beim Akrostichon ist nur der Name schwer – Birgit Ebbert zum Schreiben mit Kindern und Jugendlichen

Der Texttreff ist das Netzwerk wortstarker Frauen. Dort habe ich auch Dr. Birgit Ebbert getroffen, die als Autorin auf jeden Fall wortstark ist. Sie hat mir meine Fragen zu ihren Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche beantwortet:

Ein paar Worte zu dir, liebe Birgit: Was arbeitest du, was begeistert dich – auch unabhängig von Schreibwerkstätten?

Ich bin freie Autorin und Lernbegleiterin, schreibe beruflich lange und kurze Geschichten und entwickle Lernhilfen. Mich begeistert die Welt und wo möglich, halte ich diese Eindrücke mit meiner Kamera fest.

Wo und in welchem Rahmen bietest du Schreibworkshops für Kinder und Jugendliche an? Für welche Altersgruppe?

Grundsätzlich führe ich Schreibworkshops durch, wo immer ich angefragt werde, für alle Altersgruppen. Da habe ich schon spannende Sachen erlebt, in einer alten Mühle oder einem Museum. In den letzten Jahren fanden die Schreibworkshops vor allem in Kooperation mit der Stadtbücherei statt, hier in Hagen bieten wir derzeit für junge Autoren ab zehn Jahren einen vierzehntägigen Schreibtreff an, bei dem Heldengeschichten entwickelt und geschrieben werden.

Gibt es eine Lieblings-Übung, die immer wieder besonders gut ankommt?

Die Übung, die immer ankommt, bei allen Altersgruppen, ist das Akrostichon. Da ist nur der Name schwer, ich nenne es daher auch „Namengedicht“. Dabei werden die Buchstaben eines Begriffs, z. B. ein Name oder ein Wort, untereinander geschrieben und man sucht zu jedem Buchstaben eine Wort. Das Schöne daran ist, dass ich mit der einen Übung leicht differenzieren kann, wer mehr Übung hat im Schreiben und Ausdenken von Texten, sucht die Wörter danach aus, dass sie ein Wort ergeben, die anderen reihen eben einfach nur Wörter aneinander. Daraus entstehen oft tolle Mini-Geschichten, die sich zum Weiterspinnen eignen oder einfach nur Spaß machen.

Hast du Tipps für Einsteiger, die neu als Schreibgruppenleiter anfangen wollen? Wie kommt man an Gruppen?

birgit-ebbert-c-ulrich-wens-1 (3)Ich empfehle neuen Schreibgruppenleitern in jedem Fall, bevor sie beginnen, selbst an Schreibworkshops teilzunehmen. Ich hatte das Glück, dass ich schon während des Studiums an mehreren Schreibwerkstätten mit bekannten Autoren teilnehmen konnte, vor allem Tilman Röhrig habe ich viele Anregungen zu verdanken. Um an Gruppen zu kommen, würde ich die Stadtbücherei ansprechen oder Schulen, Jugendeinrichtungen vor Ort oder Verbände.

Worauf muss man beim Vorbereiten von einzelnen Übungen bzw. ganzen Schreibworkshops besonders achten?

Zum einen sollte man die Zielgruppe im Blick haben und sich immer klar sein, dass das Schreibniveau der TeilnehmerInnen sehr unterschiedlich sein kann. Ich habe es mir inzwischen angewöhnt, möglichst Übungen bzw. Schreibanlässe zu nutzen, die Viel- und Wenigschreibern Möglichkeiten lassen. Jetzt gerade tippe ich zum Beispiel Geschichten ab, die nach einem Museumsbuch entstanden sind – ohne Übertreibung, da habe ich Texte, die bestehen aus drei Sätzen, und andere, die acht eng beschriebene Din A4-Seiten umfassen.  Aus diesem Grund habe ich immer eine Idee für eine Reserve-Übung im Kopf, damit diejenigen, die schnell fertig sind mit ihren drei Sätzen nicht stören, sondern eine neue Aufgabe haben.

Was nehmen die Kinder aus diesen Schreibwerkstätten mit? Warum hältst du solche Projekte für wichtig?

Die Kinder nehmen aus den Schreibwerkstätten die Bestätigung mit, dass Schreiben toll ist und ohne Gedanken über Rechtschreibung und Grammatik Spaß macht. Ich finde das wichtig, weil Schreiben in der Schule leider für viele negativ besetzt ist – es hat mit Hausaufgaben und Arbeit zu tun, mit Noten und Vorgaben, dass Schreiben ein Weg ist, seine Gedanken zu sortieren, sich selbst zu finden, Ideen und Pläne vorzudenken und sich zu entspannen u. ä., das wird in der Schule nicht vermittelt.

Außerdem: Es gibt für jede Begabung Kurse und Angebote – öffentliche (!) Musikschulen für Musiktalente, Sportvereine für sportlich Begabte, Naturfreundevereine  für Naturinteressierte, Kunstschulen für Menschen mit künstlerischen Interessen usw. aber für Kinder und Jugendliche, die Spaß haben am Schreiben, gibt es kaum Angebote. Viele Einrichtungen und Förderer finden es auch nicht nötig, Schreibwerkstätten zu fördern, weil Schüler ja in der Schule schreiben lernen. Ja, eine Argumentation und eine Analyse zu schreiben, aber nicht, einfach drauflos zu schreiben oder gar ganze Welten zu konzipieren. Ich habe mir als Kind genau solche Angebote gewünscht, deshalb habe ich mich auch hier in Hagen sehr für einen regelmäßigen Schreibtreff engagiert und freue mich, dass er auf eine große Resonanz gestoßen ist.

 

Ganz herzlichen Dank, liebe Birgit, für deine Antworten. Auf dass überall Kinder und Jugendliche solche wunderbaren Schreibwerkstätten genießen können!

 

Mehr zum Schreiben mit Kindern und Jugendlichen gibt es im Gastbeitrag von Andreas Schuster und im Artikel über meine eigenen Erfahrungen sowie in den Interviews mit Petra Plaum, Michaela Pelz, Carmen Winter, Jutta Wilke und Alice Grünfelder.

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