Rappend-Reimen: Alice Grünfelder über das kreative Schreiben mit Kindern und Jugendlichen

Der Texttreff ist das Netzwerk wortstarker Frauen. Dort habe ich auch Alice Grünfelder getroffen, die als Lektorin und Literaturvermittlerin auf jeden Fall wortstark ist. Sie hat mir meine Fragen zu ihren Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche beantwortet:

Ein paar Worte zu dir, liebe Alice: Was arbeitest du, was begeistert dich – auch unabhängig von Schreibwerkstätten?

Oje, das ist eine schwierige Frage, weil mich so vieles begeistert, weil ich mich von so vielem anstecken lasse und kaum Zeit finde, meine zahlreichen Ideen umzusetzen. Momentan stecke ich selbst in drei Buchprojekten – und unterrichte zu 50% an einer Schweizer Berufsfachschule das Fach Allgemeinbildung, das die Themen Sprache & Kommunikation sowie Gesellschaft & Recht umfasst.

Wo und in welchem Rahmen bietest du Schreibworkshops für Kinder und Jugendliche an? Für welche Altersgruppe?

Ich hatte bisher immer das Glück, das ich angefragt wurde und nicht akquirieren musste. Ich glaube, mein erster Kinderworkshop war „Comic übersetzen“ für Kinder ab 8 Jahren, begleitend zu dem tollen und ambitionierten Kinder- und Jugendliteratufestival Abraxas in Zug. Seit 2010 leite ich den Kinderschreibworkshop „Wortschatz“ im Literaturhaus Lenzburg für Kinder von 10 bis 13 Jahren. Letztes Jahr führte ich mit Jugendlichen im Literaturhaus Stans in der Zentralschweiz einen Workshop mit dem Titel „13. Kammer“: Welche verborgenen Geschichten schlummern in Familien?

Gibt es eine Lieblings-Übung, die immer wieder besonders gut ankommt?

schreiben_muellerhaus_1Alice GrünfelderIch lasse mir nach jedem Workshop eine konkrete Rückmeldung zu den einzelnen Übungen geben. Bislang kam die Übung „rappend-reimen“ ganz gut an, dieses Jahr aber nicht so. Mit fotografierten Personen, die ich seit Jahren aus Zeitschriften ausschneide und sammle, Interviews zu führen oder sich Geschichten dazu auszudenken, ist immer ein guter Aufhänger für Geschichtenentwicklung. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal einen Geschichtenplan mit vier Quadraten erstellen lassen, die wir im Laufe des Workshops auffüllten. Ich wollte das einfach mal ausprobieren, dachte aber, das sei eigentlich eine viel zu technische Herangehensweise ans Schreiben, doch diese Übung war laut Rückmeldung offenbar der Renner. Das heißt, ich habe vor jedem Workshop zwar einen recht detaillierten Ablaufplan, aber je nach Gruppe, Ort und auch Wetter – ich mache nämlich auch Wetterschreiben – passe ich die Übungen an und mache auch nie einen Workshop zweimal mit demselben Ablauf. Weniger wegen der Kinder, das sind ja oft immer andere, sondern wegen mir, damit diese Workshops nicht zur Routine werden, denn dann würden sie mir keinen Spaß mehr machen.

Worauf muss man beim Vorbereiten von einzelnen Übungen bzw. ganzen Schreibworkshops besonders achten?

Wie ich schon sagte, man sollte einen recht konkreten Ablaufplan vorbereiten, der sehr abwechslungsreich sein sollte, d.h. gibt es konkrete Vorgaben oder eher freies Schreiben? Arbeitet jeder alleine oder schreibt man auch mal zu zweit oder in einer kleinen Gruppe? Und man sollte eine Reihe von Schreibaufgaben in der Tasche haben, die man zwischendurch einstreuen kann, wenn man merkt, etwas läuft nicht richtig oder manche Kinder hängen durch. Zudem sollte man bei den Übungen auf die sogenannte Binnendifferenzierung achten, d.h. für jedes Kind seinem Niveau entsprechend etwas dabei haben. Ganz wichtig ist die Frage, wie schließe ich den Kurs ab? Meine Kursenden sind jedes Mal anders, und ich bin froh, wenn die Veranstalter nicht auf eine Abschlusslesung drängen, denn dann geht die Zeit fürs Vorbereiten der Lesung, vor allem fürs Vorlesen, von der Schreibzeit weg. Und das finde ich immer sehr schade. Ich habe z.B. einmal die Kinder aus ihren Texten ein kleines Buch binden, einmal ein Fanzine basteln lassen. Aber auch da muss man darauf achten, dass man wegen des Endprodukts nicht in Zeitdruck gerät und das Schreiben dadurch zu kurz kommt.

Was nehmen die Kinder aus diesen Schreibwerkstätten mit? Warum hältst du solche Projekte für wichtig?

literaturfelder_schreibworkshop_abraxas_Alice GrünfelderSchreiben außerhalb von schulischem Rahmen halte ich für sehr wichtig, da ich ja auch die schulische Seite kenne, die meiner Meinung nach kreativen Schreibprozessen nicht zuträglich ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wir sprechen immer von Grundkompetenzen, und da gehört das Schreiben mit all seinen Aspekten für mich mit dazu. Das ist wirklich ein Aspekt, für den ich brenne, für den ich mich an allen Fronten, auch in der Lehrerweiterbildung einsetze. Ich möchte, dass Kinder diese Freude am Schreiben entdecken und Spaß haben an kreativen Prozessen, da sie sonst immer so auf Effizienz getrimmt werden, vor allem Jugendliche. Und ich hoffe, dass ich ihnen das lustvolle Spiel mit Worten mitgeben kann.

 

 

Ganz herzlichen Dank, liebe Alice, für deine Antworten. Auf dass überall Kinder und Jugendliche solche wunderbaren Schreibwerkstätten genießen können!

 

Mehr zum Schreiben mit Kindern und Jugendlichen gibt es im Gastbeitrag von Andreas Schuster und im Artikel über meine eigenen Erfahrungen sowie in den Interviews mit Petra Plaum, Michaela Pelz, Dr. Birgit Ebbert, Jutta Wilke und Carmen Winter.

Auch Alice Grünfelder hat noch mehr auf ihrer eigenen Internetseite dazu geschrieben!

Ich bin immer gespannt auf weitere Erfahrungen, Ideen und Tipps rund ums Kreative Schreiben mit Kindern und Jugendlichen!

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