Katja Angenent: Autorin aus Leidenschaft – und aus dem Münsterland

Katja Angenent ist eine liebe Netzwerkkollegin, mit der ich gerne für verschiedene Projekte zusammenarbeite, zum Beispiel bei den Textperimenten im Kreativ-Haus im Frühling und bei verschiedenen Kursen in Eva-Maria Lerches Schreibraum im November. Katja gibt jedoch nicht nur Schreibworkshops, hauptsächlich schreibt sie selbst, lebt als freiberufliche Autorin in Münster. Das Münsterland ist immer wieder Thema in ihren Geschichten. Vor ein paar Wochen ist nun ihr Fantasy-Krimi „Die Elfe vom Veitner Moor“ erschienen. Dazu durfte ich ihr einige Fragen stellen:

Liebe Katja, im Nachwort zur Elfe vom Veitner Moor verrätst du ein bisschen von der Entstehungsgeschichte dieses Romans. Für alle, die das Buch – noch – nicht kennen: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Dazu hat mich tatsächlich das Venner Moor bei dir um die Ecke inspiriert. Ich spazierte eines spätherbstlichen Tages durch das kleine Moor und sagte zu meinem Mann: Da vorne könnte doch supergut eine Leiche liegen. Er meinte, eine Tote im Moor habe es doch schon häufig genug gegeben, worauf ich aus der Toten kurzerhand eine tote Elfe machte. Den Mordfall verlegte ich aus dem Hier und Jetzt in die Fantasywelt von Das Schwarze Auge (DSA), Deutschlands größtem Pen-and-Paper-Rollenspiel. Die Idee gefiel uns beiden so gut, dass wir den Spaziergang sogar noch verlängerten, um weitere Überlegungen zur Geschichte anzustellen. Dass aus der anfänglichen Gedankenspinnerei dann tatsächlich ein Roman wurde, ist etwas, das mir heute fast wie ein Wunder erscheint. Aber manchmal passt es einfach, und eine Anfangsidee lässt einen nicht mehr los …

War dir von Anfang an klar, an welchen Verlag du dich mit diesem Manuskript wendest?

Alice Grünfelder übers Schreiben

Es sind besondere Zeiten, um in Taiwan an einem Roman zu schreiben. Alice Grünfelder, Autorin aus Zürich, erfährt das gerade. Denn ihren seit längerem geplanten Aufenthalt hat sie während des Ausbruchs der Corona-Krise in Asien angetreten. Sie beantwortet netterweise ein paar Fragen.

Alice Grünfelder schreibt in Taiwan, hier DulanLiebe Alice, was kannst du uns über dein aktuelles Schreibprojekt verraten?

Es geht wie so oft in meinen Texten um blinde Flecken in der Gesellschaft und (Zeit-)Geschichte, dieses Mal um Chinesen, die während des Ersten Weltkriegs in Europa waren.

Wie schaffst du es generell, die riesige Informationsflut beim Recherchieren zu kanalisieren? Dass du dich nicht immer tiefer darin verlierst, immer mehr Material ansammelst, sondern die passenden Spuren verfolgst und zu Charakteren und einer Romanhandlung verdichtest?

Kurzgeschichte: Mörderisches Akrostichon

Akrostichon – das klingt wie eine Halskrankheit. Es ist allerdings ein kreativer Zeitvertreib, der viel Spaß machen kann. Man nehme ein Wort, schreibe die Buchstaben untereinander und nutze sie als Anfangsbuchstaben für neue Wörter. So kann ein kurzer Vers oder eine lange Geschichte entstehen, je nachdem, ob man nur jeweils ein Wort mit jedem Buchstaben bildet oder eine ganze Zeile. Oder man entwickelt zunächst nur einen kurzen Spruch und baut daraus eine längere Geschichte … So wie in diesem Beispiel:

Aus dem Wort Genie ergeben sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Mein Lieblingssatz: Gefrorene Entenbrüstchen Nerven Im Eintopf.

Und wenn sie sehr nerven, kann dabei schon mal Folgendes geschehen:

Es ist der Herd. Es liegt eindeutig am Herd. Dieses Mistding brennt mir zwar gerne die Finger an – und auch den Bodensatz am Topfboden fest – aber aufgetaut bekomme ich diese dämlichen Entenbrüste darauf nicht.

Kürzestgeschichte: 42,1975

Unser Marathon hatte zwar nur 30 Tage, aber auf 42,195 sind wir dennoch bei allem Möglichen gekommen: Tassen Tee pro Tag zum Beispiel. Und da ich das NaNoWriMo-Ziel verpasst habe, waren es bei mir am Ende 42.195 Wörter, die im November in meiner aktuellen Schreibdatei gelandet sind.

Abschlusslesung im Schreibraum

Und dieser Text. Mit ihm habe ich die Abschlusslesung vom 2. Kreativen Schreibmarathon eröffnet, Katja Angenent hat den kurzweiligen Abend moderiert, Eva-Maria Lerche, unsere Schreibraum-Gastgeberin, hat ihn mit ihrer Geschichte um einige tote Waldarbeiter beendet. Dazwischen gab es spannende, unterhaltsame, nachdenklich stimmende, komische und historische Texte von unseren Teilnehmerinnen.
Für uns war es ein toller Monat – auf die Neuauflage 2020 freuen wir uns schon sehr.

Sportlich, sportlich

„42,195“, sagt sie.
Zeitungsrascheln von der anderen Tischseite.

Selbstlektorat – Wie überarbeite ich meine eigenen Texte?

Wozu Selbstlektorat?

Warum die eigenen Texte lektorieren? Ich habe beim Schreiben doch schon das Beste gegeben! Ja, aber zu feilen gibt es noch lange etwas – und auch wenn man Testlesende oder vielleicht sogar ein professionelles Lektorat ins Boot holt, ist es gut, die eigenen Texte so geschliffen wie möglich rauszugeben, damit die Außenlesenden sich auf die tieferen, versteckteren Dinge konzentrieren können.

Beim Überarbeiten der eigenen Texte stößt man jedoch schnell auf eine Schwierigkeit: Man wird betriebsblind für die eigenen Stärken und Schwächen, unsicher, was tatsächlich großartig ist und was einer Bearbeitung bedarf. Deshalb hier ein paar Hilfestellungen, wie man ans Lektorieren der eigenen Geschichten herangehen kann. Diese und weitere Tipps erscheinen in einer Artikelreihe im Schreibnewsletter The Tempest in drei Teilen von November bis Januar. Hier ein paar Auszüge daraus:

Ungehindert – Ola Henmos Biografie über Torstein Lerhol

Ungehindert – norwegische Biografie von Ola Henmo

Der Journalist Ola Henmo hat ein beeindruckendes Porträt geschaffen – und zwar über den beeindruckenden Lebensweg von Torstein Lerhol. Der Politiker und Lehrer ist mit schwerer spinaler Muskelatrophie (SMA) geboren. Bewegen kann er nur einen Finger – und seine Gehirnzellen, und das auf beeindruckende Weise. Ola Henmo zeichnet seine Geschichte auf und bringt allen Lesenden diesen starken Mann näher, der nur eins möchte: ungehindert leben.

Der Autor Ola Henmo ist Schriftsteller und Journalist. Er arbeitete für die größte Tageszeitung in Norwegen, Aftenposten, und veröffentlichte mehrere hochgelobte Biografien. Über Jahre hat er Torstein Lerhol immer wieder getroffen, ist mit ihm gereist, hat ihn bei Vorträgen und inmitten seiner Freunde erlebt. So konnte ein Porträt entstehen, das mit Wärme geschrieben alle Aspekte dieses so außergewöhnlichen Lebens – auch kritisch – reflektiert.

Schöne Schreiborte: Gartensofa

So ein Gartensofa lädt zum Lesen, Plaudern und Verweilen ein – aber eben auch zum Schreiben.

Ein Lieblingsort mit Lieblingsnotizbuch und Lieblingsstift, gerne Lieblingstee oder Lieblingsmilchkaffee oder Lieblingsschorle …

Ansonsten schreibe ich gerne

Die Umgebung inspiriert mich oft zur Art des Schreibens – bei Kurzgeschichten. So habe ich mit einer Schreibgruppe bereits an verschiedenen Skulpturen der Skulptur-Projekte-Ausstellung in Münster geschrieben. Dabei ging es dann um die Menschen, die wir dabei beobachteten, wie sie sich rund um das Kunstwerk benehmen. Oder um die klassische Frage, was wäre, wenn …? So sind einige skurrile Kurzgeschichten entstanden.

Was ist euer Lieblingsschreibort? Erzählt gerne in den Kommentaren davon!

Tanzen und Schreiben

Katarina Pollner ist Autorin und Schreibtrainerin sowie Trainerin für ENERGY DANCE®. Diese Leidenschaften hat sie in einem Workshopkonzept verbunden, das ich auch schon bei ihr erleben durfte und von dem ich schlichtweg begeistert bin: “Tanzen und Schreiben”.

Katarina-Pollner-fotografiert-von-Ruth-Frobeen

In diesen Workshops wird – wie der Name schon sagt – getanzt und geschrieben. Die Bewegung aktiviert die Kreativität immer wieder neu und führt im Idealfall dazu, dass man einen Schreibflow erlebt. Es ist eine tolle Möglichkeit, gemeinsam mit anderen kreativ zu sein. Wie sie auf die Idee gekommen ist, diese beiden Bereiche miteinander zu verknüpfen und wie die Bewegung beim Tanzen das Schreiben inspirieren kann, davon hat sie mir in einem Interview erzählt. Hier ein Auszug:

Als Schreibtrainerin und Schreibende befasse ich mich damit, wie wir leichter Zugang zu Inspiration und Kreativität finden können. Im Zentrum steht die Frage, wie wir das überwinden können, was uns daran hindert, frei und furchtlos zu schreiben: in erster Linie unsere Zweifel und einschränkende Vorstellungen davon, wie wir schreiben sollten. Am besten gelingt das im Flow, einem Zustand, in dem wir eins sind mit dem, was wir tun, und das Gefühl für Zeit und Raum verlieren. Wer einmal Flow erfahren hat, weiß, was ich meine. Sowohl beim Tanzen als auch beim Schreiben kann sich Flow einstellen, wenn ich mich einlasse und loslasse.

Genre-Überblick von Schreibtrainerin Anette Huesmann

Die Schreibtrainerin Anette Huesmann erklärt in ihrem aktuellen Ratgeber “Buchgenres kompakt” alles, was es für Autorinnen und Autoren zu diesem Thema zu wissen gibt. In ihrem Fachbuch erläutert sie, wie Genres entstanden sind und warum es diese Unterscheidungen gibt. Für alle, die sich mit dem Kreativen Schreiben beschäftigen, ist es eine gute Hilfestellung, um sich einen Überblick zu verschaffen und die eigenen Texte einordnen zu können. Denn auch wenn wir uns nicht gerne in Schubladen stecken lassen – wer veröffentlichen möchte, muss seine Texte einer klaren Kategorie zuordnen, damit sie für Verlage interessant sind und später in Buchhandlungen auch vermarktet, sprich einsortiert, werden können.

Wo verlaufen die Grenzen zwischen den Genres und Subgenres?

Auf der einen Seite erleichternd, auf der anderen Seite erschwerend: Texte lassen sich nicht so leicht in Schubladen einordnen, viele verstehen unter demselben Begriff andere Geschichten oder nutzen verschiedene Begriffe für dieselbe Geschichte. Dennoch bieten Einteilungen für alle, die mit Büchern zu tun haben, eine gute Orientierung. Aus Anette Huesmanns Klappentext:

Genres zeigen, was Bücher gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Die Entwicklung der Genres im Laufe der Jahrhunderte lässt Erzähltraditionen sichtbar werden: Wo liegen die Wurzeln wichtiger Themen, was erzählten die Bücher dieser Genres früher und was erzählen sie heute?

Eindeutige und klar abgrenzbare Definitionen der Genres und Subgenres gibt es nicht. Viele Bezeichnungen sind im Laufe von Jahrhunderten im allgemeinen Sprachgebrauch entstanden, es finden sich Ungenauigkeiten und Überschneidungen.

Haben alle Romane eine Daseinsberechtigung?

Interview fürs Alumni-Magazin der WWU

“Den Schreibmuskel kann man trainieren”

– so lautet unsere gemeinsame Grundeinstellung beim Kreativen Schreiben. Eva-Maria Lerche vom Schreibraum Münster, die Autorin Katja Angenent und ich kooperieren seit gut zwei Jahren miteinander. Wir leiten Kurse gemeinsam, besuchen gegenseitig unsere Schreibwerkstätten, dürfen im Schreibraum zu Gast sein und entwickeln spannende Projekte zusammen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann etwas über unseren Schreibmarathon lesen oder die Textperimente im Kreativ-Haus.

Schreibraum-Münster-WWU-Thomas-MohnDass wir alle einmal an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster studiert haben – wenn auch nicht gleichzeitig und in verschiedenen Fachbereichen – war dabei nie Thema. Dr. Nora Kluck als Projektkoordinatorin des Alumni-Clubs der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat das beim 1. Kreativen Schreibmarathon im Schreibraum Münster im November 2018 aufgegriffen und uns nun zu unserem Studium, unseren Erfahrungen und unserer Zusammenarbeit befragt.