Tipps zum Organisieren der eigenen Kurzgeschichten

Katalogsystem für eigene Geschichten

Wer viele kürzere Geschichten schreibt, kennt das Problem: Wie behalte ich den Überblick über meine eigenen Texte? Was ist das beste Ordnungssystem – für mich -, um bei den passenden Gelegenheiten die richtige Geschichte zur Hand zu haben? Denn den Überblick über die eigenen Texte zu behalten, ist eine klassische Schwierigkeit unter Schreibenden – zumindest für diejenigen, die nicht immer nur ein größeres (Roman-)Projekt gleichzeitig bearbeiten.

Karteikasten-Kurzgeschichten-Überblick-Maike-FrieVon den Hilfen, die unterschiedliche Schreibprogramme bieten, einmal abgesehen, bieten auch klassische Karteikarten (für mich funktionieren am besten DIN-A6-Karten) eine gute Möglichkeit, durch Symbole und Kennzeichnungen die verschiedenen Textmerkmale im Blick zu behalten.

Ein solches System eignet sich für alle, die

  • viele, eher kürzere Geschichten schreiben
  • eine eigene Geschichtensammlung zusammenstellen möchten
  • immer mal wieder für Ausschreibungen oder Anthologien Texte nach bestimmten Kategorien auswählen
  • gerne haptisch mit Papier arbeiten und Notizen auf einem realen Tisch ordnen

Karteikarte-Kurzgeschichtensammlung-Maike-FrieSymbole zur Kurzgeschichtenanalyse

Unterschiedliche Farben und Symbole – gerne aus einfachen Sketchnotes; dafür braucht man nämlich nicht toll zeichnen können – erleichtern den Überblick über die hilfreichen Informationen.

Karteikarte-Länge-Maike-FrieLänge

Ein farbiger Strich symbolisiert durch seine Länge, ob die Geschichte kurz oder lang ist – das ist auf den ersten Blick zu erfassen. Detaillierter gebe ich Seitenanzahl und Zeichenzahl an. Bei den Seitenzahlen orientiere ich mich am Normseitenformat, in dem ich meine Texte formatiere (30 Zeilen mit maximal 60 Anschlägen – dabei kommen rund 1.500 Zeichen je Seite heraus).

Längenvorgaben sind bei Ausschreibungen üblich, deshalb ist dieses Kriterium wichtig. Für eine eigene Zusammenstellung bietet es sich an, entweder Texte ähnlicher Länge auszusuchen oder sie bewusst mit unterschiedlichen Längen abwechselnd zu sortieren.

 

Karteikarte-Veröffentlichung-Maike-FrieVeröffentlichung

Ist der Text bereits irgendwo auf irgendeine Weise in der Welt? Das ist nicht nur oft bei Ausschreibungen ein Ausschlusskriterium, sondern auch für den eigenen Überblick hilfreich, denn hierher gehören nicht nur externe bzw. offizielle Veröffentlichungen, zum Beispiel in Literaturzeitschriften, sondern auch Vorleserunden in der eigenen Schreibgruppe oder Hochladen in den eigenen Blog. Hierfür eignet sich ein rasch gezeichnetes Buch-Symbol mit entsprechender Notiz daneben.

 

 

Karteikarte-Perspektive-Maike-FrieErzähl-Perspektiven

Dieses Kriterium ist für Ausschreibungen weniger relevant, aber wer eine eigene Sammlung zusammenstellen will, bekommt so den Überblick darüber, welche Erzähl-Perspektive am häufigsten gewählt wird.

Wenn zum Beispiel alle Geschichten bis auf eine in der Ich-Perspektive geschrieben sind, wirkt das wie ein Versehen. Wie bei der Länge auch passt es hier, entweder auf Einheitlichkeit oder bewusste Abwechslung zu setzen.

Zu den verschiedenen Erzählperspektiven hat Andreas Schuster von Schreiben und Leben einen informativen Beitrag veröffentlicht.

Namen

Diese Liste ist sinnvoll, wenn man an einer eigenen Geschichtensammlung arbeitet, damit nicht in mehreren Texten Figuren mit demselben Namen vorkommen – es sei denn, es sind wirklich dieselben Personen, die bewusst mehrfach auftauchen sollen. Die Namen passen gut neben die Perspektiv-Angabe.

Außerdem hilft es dabei, sich die eigene Namenswahl noch mal vor Augen zu führen:

  • Passen die Namen zueinander? Unterscheiden sie sich ausreichend, damit die Lesenden nicht verwirrt sind?
  • Passen die Namen zu Alter, Herkunft, Sozialisation, Religion usw. der Figuren?
  • Wähle ich immer wieder ähnliche Namen – täte meinen Texten also mehr Varianz gut?

Karteikarten-Überblick-Maike-FrieWeitere Informationen

Als schlichten Fließtext oder Kurz-Symbole notiere ich mir noch folgende Informationen auf den Karten:

  • Thema: Hier reichen große Konzeptwörter, die beim konkreten Schreiben eher vermieden werden sollen, für eine schnelle Zuordnung. Beispiele wären Familie, Weihnachten, Freundschaft, Tod, Meer, Verrat usw.
  • Tempus: Ist die Geschichte im üblichen Roman-Präteritum oder im Präsens geschrieben? Das lässt sich neben einer Uhr (ein stilisiertes Zifferblatt) notieren.
  • Orte: Wo spielen die Geschichten – vielleicht ergibt sich hieraus ja auch mal ein Anthologie-Kriterium
  • Berufe: Haben alle meine Figuren Jura studiert – weil ich mich damit am besten auskenne? Das wäre auf die Dauer langweilig – es sei denn, ich möchte eine Anthologie mit Jurist*innen als Hauptfiguren zusammenstellen … Ansonsten wäre Vielfalt auch hier Reichtum, zumal sich aus unterschiedlicher Bildung, Handwerk, Handel, Unternehmertum, Angestelltendasein usw. toll individuelle Sprechweisen und Erfahrungshorizonte ableiten lassen, die die Geschichten vielschichtiger machen können.
  • Dialog: Sprechen die Figuren in der Geschichte miteinander? Das ist generell sinnvoll, um einen aufgelockerten Text zu haben. Bei vielen meiner Kürzestgeschichten oder skurrilen Texte spricht allerdings niemand. Das ist für mich wichtig, auf einen Blick erkennen zu können.
  • Tonfall: Ist die Geschichte eher humorvoll oder melancholisch? Dafür eignet sich ein lächelnder oder ein Smiley mit herabgezogenen Mundwinkeln.
  • Status: Fertig und überarbeitet? Oder noch die Rohfassung? Je nachdem, wann ich eine Karteikarte für eine Geschichte anlege, erfasse ich auch dieses Kriterium mit einem Blitz-Symbol für unfertige Texte.

 

Genre-Sammlungen

Für besondere Geschichtenzusammenstellungen können noch andere Markierungen sinnvoll sein, zum Beispiel, ob es ein Bildmotiv zu dem Text gibt (eines, was man sich vorstellen kann, oder eines, was Anregung für den Text war), oder eine Sprechblase als Symbol für Dialog (wird im Text miteinander gesprochen oder nicht)?

Karteikarte-Krimis-Maike-FrieFür eigene Kurzkrimisammlungen ist interessant, ob es

  • einen Mord gibt oder nicht und wenn ja,
  • wer die/der TäterIn war,
  • wer das Opfer und
  • welche Tatwaffe benutzt wurde.

Bei Märchensammlungen interessiert, ob es ein klassisches Märchen als grundlegendes Motiv gibt; bei Fantasy-Geschichten, ob sie in einer bestimmten Welt angesiedelt sind und welche (bekannten) Wesen darin vorkommen.

Wer Geschichten für Kinder schreibt, kann zum Beispiel das Alter der Hauptfiguren und daraus folgend das der Zielgruppe notieren.

 

Im Newsletter Tempest rund ums Kreative Schreiben habe ich im September 2020 einen ähnlichen Artikel veröffentlicht. Schaut doch dort mal ins Archiv – das lohnt sich immer. Wer mehr über den Tempest erfahren will, kann das Interview mit der Autorin Gabi Neumayer in diesem Blog lesen – sie erzählt viel Wissenswertes darüber.

Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Ausprobieren, welches System für euch am besten funktioniert. Schreibt mir dazu gerne in den Kommentaren – denn ich freue mich immer über weitere Tipps!

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