Interview mit der Autorin Katja Angenent

Ich kenne Katja Angenent als Autorin bereits einige Jahre. Sie hat an Schreibwerkstätten von mir teilgenommen und ich habe schon einige Geschichten von ihr gelesen, weil sie auch als Autorin der Münsteraner Schreibgruppe Sem;kolon sehr präsent ist. Seit sie im Schreibraum von Eva-Maria Lerche selbst Schreibabende leitet, bin ich auch Teilnehmerin ihrer Kurse.

Nun ist im Juni ihr erstes eigenständiges Buch erschienen: Die Geschichtensammlung „Die alte Freundin Dunkelheit“ in der edition subkultur des Periplaneta Verlags. Es sind – wie der treffende Untertitel verrät – Schauergeschichten, die mal im historischen Setting, mal in der Gegenwart verortet, à la Stephen King das Grauen in den Alltag der Figuren einbrechen lassen.

Ich freue mich, dass Katja ein paar Fragen zu ihrem Schreiben und zum Veröffentlichen beantwortet hat!

Seit wann schreibst du? Welche Entwicklung hat dein Schreiben genommen?

Ich schreibe seit der ersten Grundschulklasse, und tatsächlich habe ich auch als Kind schon „Bücher“ und „Zeitschriften“ erschaffen. Es ging mir also immer schon nicht nur um das Ausdenken von Geschichten, sondern auch um das Veröffentlichen. Während meines Studiums und danach habe ich darum auch mit großer Freude in Zeitschriftenredaktionen gearbeitet und viele Artikel sowie die eine oder andere Geschichte veröffentlicht. Irgendwann habe ich aber gespürt, dass ich darüber hinaus das Kreative Schreiben nicht vernachlässigen darf, und habe mich der von Dir oben erwähnten Autorengruppe angeschlossen, um regelmäßig zu schreiben und mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Seither hat die Produktion von Geschichten stetig zugenommen 😉

Bist du auf das Genre Schauergeschichten festgelegt? Oder schreibst du auch in anderen Genres? Sowohl Kurgeschichten als auch längere Texte?

Ich schreibe tatsächlich gerne gruselige und mystische Texte, das gefällt mir einfach am besten. Aber auch Krimis mag ich sehr gerne, oder historische Sagen und Legenden. Längere Texte gibt es von mir auch. Ich habe zum Beispiel einen historischen Krimi geschrieben, der im 19. Jahrhundert in Düsseldorf spielt. Dafür suche ich aktuell noch nach einem Verlag.

Inwiefern sind Schreibgruppen/ist der Austausch mit anderen AutorInnen wichtig für dich?

Den Austausch mit anderen AutorInnen – ganz egal, ob der sich im Rahmen von Schreibseminaren oder freien Zusammenschlüssen ergibt – empfinde ich grundsätzlich immer als sehr bereichernd. Ich kann auch nur jedem Schreibenden empfehlen, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Sei es, dass man gemeinsam an holprigen Textstellen feilt, dass man sich über bevorzugte Schreiborte oder Schreibtechniken austauscht, sich gegenseitig in den Projekten bestärkt oder einfach etwas Neues dazulernt. Schreiben an sich ist ja definitionsgemäß eine einsame Tätigkeit, und es hilft dem eigenen Schreiben und der Motivation sehr, wenn man andere Menschen kennenlernen kann, die vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen stehen wie man selbst.

Wie hast du deinen Verlag gefunden – ganz klassisch einen passenden gesucht und mit Leseprobe und Exposé dort beworben? Welche Unterlagen hast du eingereicht? Für Kurzgeschichten von Erstlingsautoren soll das ja besonders schwierig sein …

Ja, ungefähr war das tatsächlich der von Dir angesprochene klassische Weg. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem Verlag für meinen historischen Roman und habe die Berliner der edition subkultur einfach mal mit den ersten dreißig Seiten, einer Biographie und dem Exposé angeschrieben. Sicher hat es auch nicht geschadet, dass ich bereits mit einem der Hausautoren im journalistischen Bereich zusammengearbeitet habe. Es ist dann die Kurzgeschichtensammlung geworden, weil der Verlag noch nie einen historischen Roman verlegt hat. Ich war selbst überrascht, wie unkompliziert die Veröffentlichung letztendlich war – man hört ja wirklich immer, dass die Verlagssuche so schwierig sei. Ich glaube, ich hatte auch einfach das Glück, zum richtigen Zeitpunkt angefragt zu haben, als die edition subkultur noch Raum für einige zusätzliche Projekte hatte. Auch ein Verlag hat natürlich nur ein begrenztes Budget und kann nicht immer alles veröffentlichen, was er gerne möchte.

Es kann aber auch anders laufen: Zwischenzeitlich habe ich für ein Sachbuchprojekt in Zusammenarbeit mit einem anderen Verlag recherchiert. Eine der Lektorinnen war sehr angetan von der Idee und meinem Schreibstil, und auch der Verlagsinhaber konnte überzeugt werden. Aber dann kam die Sales-Abteilung und hat gesagt, ein solches Buch würde sich nicht oft genug verkaufen. Damit war das Projekt leider gestorben. Dennoch motivieren mich solche Erfahrungen, denn sie zeigen, dass es sehr wohl Möglichkeiten für AutorInnen gibt. Aber natürlich führen ganz viele unterschiedliche Faktoren dazu, dass schließlich ein Buch draus wird – oder eben nicht. Da gilt der einfach klingende, aber leider überhaupt nicht so einfache, gute alte Spruch: Nur nicht entmutigen lassen!

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Verlag? Gab es ein Lektorat? Hast du alleine entschieden, welche Geschichten aufgenommen werden?

Die Zusammenarbeit war und ist ebenfalls unkompliziert. Ich habe das Gefühl, dort gut aufgehoben zu sein und wertgeschätzt zu werden – obwohl ich nur eine Autorin unter vielen bin und so ein Verlag immer enorm viel vor der Brust hat. Natürlich gab es ein Lektorat und ein Korrektorat – ich habe ja nicht selbst publiziert, sondern der Verlag. Er steht mit seinem Namen und seinem Ruf hinter dem Projekt, und es ist darum auch im Interesse des Verlegers, dass sich hinterher möglichst wenig Tipp- und Logikfehler im fertigen Werk finden.

Ich hatte zunächst nur rund zehn Geschichten eingereicht. Doch da meinte der Verlag, das würde höchstens für eine Veröffentlichung im Heftformat reichen – ob ich denn nicht noch mehr hätte? Da habe ich dann angefangen zu rotieren und in einem zweiten Schwung alles zur Verfügung gestellt, was irgendwie in Richtung Schauergeschichte geht. Darum gibt es zum Beispiel auch ein Gedicht in dem Band, das hätte ich im ersten Anlauf nicht mit hineingenommen. Abschließend sind tatsächlich alle Texte, die ich eingereicht habe, nun auch im Buch zu finden.

Wie viel Mitspracherecht hattest du bei der Wahl des Titels, beim Cover?

Auch da hört man ja von KollegInnen immer mal wieder regelrechte Horrorstorrys, aber die kann ich nicht bestätigen. Ich hatte tatsächlich großes Mitspracherecht. Ich habe Vorschläge zu Titel und Cover gemacht. Beim Cover hat sich das Layout einfach für einen von meinen Vorschlägen entschieden und die Schriftart festgelegt, die ich aber auch sehr schön finde. Beim Titel gingen mehr E-Mails zwischen Verlag und mir hin- und her. Der Titel „Die alte Freundin Dunkelheit“ kam dann schließlich vom Verlag, und den habe ich sofort als total passend empfunden.

Was unternimmt der Verlag in Sachen Marketing? Und hast du Tipps für andere AutorInnen, welche Ideen in puncto Eigenmarketing sich gut umsetzen lassen?

Der Verlag kümmert sich in Sachen Marketing vor allem um die Basics, das heißt, er sorgt dafür, dass das Buch überall erhältlich ist – von Amazon bis Thalia. Er verschickt Rezensionsexemplare und stellt den Kontakt zu mir her, wenn Interviews angefragt werden. Außerdem hat er mir wertvolle Tipps dazu gegeben, was ich tun kann, um mein Buch noch zu pushen und in der Öffentlichkeit präsenter zu werden. Ganz wichtig ist für die edition subkultur zum Beispiel eine zentrale Autorenhomepage und die Teilnahme an Lesungen.
Präsenz zeigen ist auch im Marketing sehr wichtig. Ich als Autorin sollte unbedingt publik machen, dass ich ein Buch veröffentlicht habe. Ein Posting in entsprechenden Social-Media-Gruppen ist zum Beispiel schnell erstellt. Ich habe außerdem bei Veröffentlichung alle Medien, die mir sinnvoll erschienen, persönlich angeschrieben – also nicht an die „Info@…“, sondern den jeweiligen Ansprechpartner. Dafür musste ich vorab auch schon mal zum Telefonhörer greifen, um die richtige Ansprechperson ausfindig zu machen. Dazu habe ich einen Pressetext entworfen, ein Foto von mir und das Buchcover mitgeschickt. Dennoch ist es so, dass ich pro 100 Menschen, die ich anschreibe, vielleicht mit ein oder zwei Reaktionen rechnen kann, denn ich als Erstlingsautorin bin mit einer Kurzgeschichtensammlung nicht gerade die Neuigkeit, die alle vom Hocker reißt 🙂 Manchmal hilft es, bei den aussichtsreichsten Kandidaten nach einigen Tagen noch einmal höflich am Telefon nachzufragen, ob die E-Mail denn auch angekommen ist. Was natürlich super ist, sind persönliche Kontakte. Ich kenne einen Autor, der zum Erscheinen seines ersten Buches fast eine ganze Seite im Lokalteil der Zeitung bekommen hat – weil er mit dem entsprechenden Kulturredakteur befreundet war.

Hast du schon weitere Projekte in Planung? Steht schon fest, was als Nächstes veröffentlicht wird?

Rund einen Monat nach der Veröffentlichung meines Erstlingswerkes ist das eine sehr gute Frage 😉 Nein, eine nächste Veröffentlichung steht noch nicht an, aber der oben erwähnte historische Roman liegt zum Beispiel noch in der Schublade. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich bald weitere Projekte abschließen kann. Vor dem nächsten Jahr möchte ich auch gar nichts mehr veröffentlichen. Eine Veröffentlichung macht nämlich nicht nur sehr viel Spaß, sondern bedeutet auch eine ganze Menge Arbeit für alle Beteiligten …

 

Vielen Dank für das Interview, Katja!

Mehr über Katja, ihr Schreiben und ihre Kurse unter: https://katjaschreibt.jimdo.com/

Aus der Verlagsvorschau:

Sie ist zurückgekehrt. Die alte Freundin Dunkelheit spielt die heimliche Hauptrolle in den zwanzig Kurzgeschichten über Sunde, Wahnsinn und Tod. Sie schickt unerwünschte Besucher aus dem Jenseits, die in finsteren Klosterkellern oder auf nebelumwundenen Friedhöfen warten. Sie sendet ihre grotesken Gestalten der Nacht zu Grafen in verfallende Burgen, in verlassene Psychiatrien und einsame Wälder.

In ihren Schauergeschichten erzählt Katja Angenent aus der Vergangenheit und der Gegenwart von Wölfen, Königen und ganz normalen Menschen, welche die Begegnung mit dem Unbekannten fürchten und ihm doch nicht entkommen können.

 

Buchangaben:

Katja-Angenent-Alte-Freundin-Dunkelheit-subkulturTitel: Die alte Freundin Dunkelheit. Schauergeschichten zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Autorin: Katja Angenent

Verlag: edition subkultur, Periplaneta

ISBN print: 978-3-943412-35-2 (softcover, 10 Euro)

ISBN epub: 978-3-943412-82-6 (5,99 Euro)

Titelbild: edition subkultur (Coverfotografie: Artem Kovalev, www.unsplash.com)

 

Autorinnenfoto: Holger Angenent

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