Wie finde ich passende Namen für meine Figuren?

Namenskompass für literarische Figuren

Im echten Leben – wenn meinem Gehirn mal wieder kurz nach der Vorstellungsrunde so gut wie alle Namen entfleucht sind – klammere ich mich gerne an Goethes „Namen sind Schall und Rauch“. Dagegen steht natürlich das geflügelte Wort „nomen est omen“ – was ich beim Schreiben für sehr wichtig halte. Uns allen fallen sicherlich auf Anhieb eine Reihe von fiktionalen Texten ein, bei denen ein Name entweder tabu ist oder gefunden werden muss und auf jeden Fall große Macht birgt. Doch wie finden wir passende Namen?

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen: Entweder ist zuerst der Name da und der Klang, die Assoziationen dazu prägen die Figur. Oder es gibt bereits eine Figur, die passend zu ihrem Alter, ihrem Hintergrund und ihren Charaktereigenschaften einen Namen braucht.

Nicht für alle Schreibende passen beide Wege, denn manche können nur über eine Figur schreiben, wenn sie deren Steckbrief und Charakter sehr gut kennen – inklusive Namen. Andere können gut zunächst mit Platzhaltern arbeiten und später den passenden Namen suchen, wenn sie bereits tief in die Geschichte eingetaucht sind.

Schiff Zufriedenheit zum JahreswechselWie verwende ich Figuren-Namen in der Geschichte?

Im Dialog sprechen sich Figuren natürlich so an, wie sie sich anreden: mit Vor- oder Nachname, Spitzname, Kosename, abfällig, liebevoll, fantasievoll.

In den übrigen Passagen kommt es auf die Erzählperspektive an. Denn andere Figuren sollten so benannt werden, wie die Perspektivfigur sie anredet. Ein kindlicher Erzähler denkt und spricht also gerne von „Mama“ oder der Nachbarin „Ilse“, aber eher von „der Frisörin“, weil er den Namen nicht behalten kann, und „Frau Hackenpieper“, weil er seine Lehrerin siezt. Eine erwachsene Erzählerin duzt dagegen vermutlich viele Menschen und denkt und spricht über diejenigen mit dem Vornamen.

Nebenfiguren bleiben der Übersichtlichkeit wegen gerne ohne Namen. Einmal, weil es auch der Realität entspricht, dass die Erzählfigur nicht weiß, wie der Postbote heißt, und einmal, weil es für die Lesenden verwirrend ist, wenn dieser Funktionsträger, der nur einmal auftaucht und ein wichtiges Einschreiben überreicht, einen Namen – oder gar noch eine Hintergrundgeschichte – bekommt.

 

Namen in Geschichten sollten:

  • individuell sein
  • gut lesbar sein, eine eindeutige Klangvorstellung hervorrufen
  • dich von den Namen der anderen Figuren unterscheiden (in Klang, Länge / Silbenzahl, Vokalverteilung, Anlaut)
  • im Idealfall etwas über die Figur transportieren: Herkunft, Ideale der Eltern, Kultur- oder Religionszugehörigkeit, Alter, …

 

Möglichkeiten, Namen zu suchen:

  • Aus dem Alltag schöpfen: Welche Namen haben was für Menschen in meinem Umfeld, bei zufälligen Begegnungen, bei Gesprächen in Cafés oder Bahnen?
  • Aus der Literatur schöpfen: Welche Namen in anderen Geschichten sind mir in Erinnerung geblieben – mit welchen Assoziationen? Passen sie genau so oder abgewandelt in meinen Text?
  • Namen aus dem aktuellen Geschehen: Nachrichten, Zeitungsartikel, Künstler*innen, …
  • Friedhöfe und Todesanzeigen bieten eine Fundgrube von Namen aus verschiedenen Zeiten und Regionen – da lässt sich gut ein Fundus anlegen
  • Mein persönlicher Favorit, da ich beinahe täglich an einem Kanal spazieren gehe: Schiffsnamen. Da kann ich über Klänge und Assoziationen spekulieren, wie eine Figur mit diesem Namen wohl wäre.
  • Namenslisten, z. B. schlicht im (Online-)Telefonbuch, unter https://www.vorname.com/ oder https://www.baby-vornamen.de/
  • Mit guter Suchfunktion, damit man häufig verwendete oder seltene Namen passend zum Geburtsjahr der Figuren – im deutschen Sprachraum – findet: https://www.beliebte-vornamen.de/hitlisten
  • Zur Inspiration: Namengeneratoren, z. B. https://www.name-generator.org.uk/ oder https://www.behindthename.com/

 

Dünenkieker-Bollerwagen-auf-JuistUnd wenn sich die Figuren gegen ihren Namen sperren?

  • Zuerst mit einem Spitznamen arbeiten. Diesen Tipp bekam ich neulich in einer Schreibgruppe. Eventuell bleibt dies der einzige Name im Text für die Figur – oder daraus entwickelt sich später noch der „richtige“ Name.
  • Vielleicht mal einen Briefwechsel / Dialog mit der Figur führen. Warum mag sie ihren Namen nicht? Was hat sie bereits damit erlebt? Was für einen anderen wünscht sie sich?
  • Verschiedene Namen ausprobieren und einzelne Textpassagen damit laut vorlesen.
  • Anderen von der Figur erzählen und fragen: Ist das eine XY für dich? Oder ein XX? Oder an welchen Namen denkst du dabei spontan?

 

Hier findet ihr weitere Infos rund um die Namensgebung:

Welche Erfahrungen habt ihr beim Schreiben von Geschichten mit euren Figuren-Namen gemacht? Erzählt gerne in den Kommentaren davon!

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