Selfpublisherin Heike Baller über “Mister Bennet” – eine besondere Jane-Austen-Hommage

Heike Baller kenne ich aus dem Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen. Nun hat sie mit „Mister Bennet“ eine ganz besondere Fortsetzung von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ herausgebracht. Im Interview beantwortet sie netterweise ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen.

Ein provokante Frage zum Einstieg: Was hat uns Jane Austen heute noch zu sagen?

Zum Einen: Ihre „Erfindung“ des „free indirect speech“, also des fast unmerkbaren Wechsels zwischen der Erzählerstimme und der inneren Stimme ihrer Protagonistin, hat die Art, wie danach Romane geschrieben wurden und werden, stark beeinflusst.

Zum Zweiten: Ihre Frauenfiguren machen entscheidende innere Veränderungen durch, die völlig zeitunabhängig sind.

Zum Dritten: Die gesellschaftlichen Fragen, die sie aufwirft, rund um Ehe, Vermögen, Klasse, sind heute nicht vorüber; sie sehen heute nur anders aus. Es ist doch kein Wunder, dass es eine Vielzahl an zeitgenössischen Adaptionen ihrer Geschichten gibt.

Selfpublishing-Interview: Dierk Seidel über “Onkel Heiner”

Dierk Seidel habe ich durch das Lektorat seiner Erzählung „Onkel Heiner“ kennengelernt. Häufig schreibt er Geschichten für eine Lesebühne. Im Selfpublishing hat er bereits Gedichte und Geschichten („Perspekbriefwechsel“) herausgegeben. Zu dem spannenden Prozess, aus bereits vorliegenden Onkel-Heiner-Episoden ein Buch zu kreieren und es im Selfpublishing herauszugeben, hat er netterweise einige Fragen beantwortet.

Du hattest bereits Onkel-Heiner-Geschichten vorliegen. Wie bist du an die Auswahl und Strukturierung herangegangen, um daraus eine runde Erzählung zu machen?

Liebe Maike, zu Beginn vielen Dank für die Fragen und deine Unterstützung bei meinem Projekt.

Es ist so, dass in etwa die Hälfte des Buches stand, bevor ich überhaupt wusste, dass es ein zusammenhängendes Buch werden soll. Ich schrieb die erste Geschichte im April 2024 und dann las ich bei der Lesebühne „Halbes Sofa“ regelmäßig neue Geschichten. Sie kamen gut an. Dann reifte der Entschluss, mehr daraus zu machen. Bis dahin „stolperte“ jede Geschichte so für sich voran. Es gab zwar durchaus eine Art roten Faden, aber ein richtiges Ziel, worauf es hinauslaufen sollte, gab es noch nicht. Ich ging alle Geschichten durch, suchte das, worum es meiner Meinung nach wirklich geht, und habe dann den zweiten Teil geschrieben. Dabei hatte ich dann die Möglichkeit, auch auf einzelne Unklarheiten aus der ersten Hälfte einzugehen.

Literaturwettbewerbe und Ausschreibungen – Beteiligen ohne Frust

Literarische Ausschreibungen sind eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Veröffentlichungserfahrungen zu sammeln. Das Feld ist jedoch sehr groß. Ich habe ein paar Informationen zusammengestellt, die es euch leichter machen, individuell für euch passende Ausschreibungen zu finden.

Da ich bereits in der Jury von Literaturpreisen saß, kenne ich auch die andere Seite. Und das ist meiner Meinung ganz wichtig: Die Brille der Gegenüber aufsetzen. In ganz vielen Jurys arbeiten Literaturbegeisterte ehrenamtlich. Sie stecken viel Zeit ins Lesen der eingesandten Beiträge und die Organisation. Da ist es nur fair und höflich, auf die Ausschreibungsbedingungen zu achten. Sendet nur wirklich passende, gut überarbeitete und sorgfältig korrigierte Texte ein.

Und wann ist eine Geschichte einsendebereit? Mein persönlicher Gradmesser dazu: Falls ich veröffentlicht werde oder etwas gewinne, mag ich sie dann gerne vor vielen Leuten vorlesen? Bis zu diesem Punkt sollten noch Überarbeitungsschleifen folgen. Lieber mit einer Einsendung aussetzen und aufs nächste spannende Thema oder Heft warten.

Rückblick Lektorate 2025

2025 durfte ich wieder eine Reihe spannender Projekte für Verlage und für Selfpublisher*innen begleiten. Hier ein Überblick:

Mr. Saitos reisendes Kino

Cover von "Mr. Saitos reisendes Kino" von Annette Bjergfeldt übersetzt von Dagmar Mißfeldt, erschienen bei Harper Collins

Bei Annette Bjergfeldts Roman “Mr. Saitos reisendes Kino” durfte ich das Übersetzungslektorat aus dem Dänischen für den Verlag Harper Collins übernehmen. Es war eine Freude, mit der Übersetzerin Dagmar Mißfeldt erneut zusammenzuarbeiten!

Aus dem Klappentext:

Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt …

So beginnt Litas wundersame Reise mit ihrer schönen Mutter Fabiola, die neben Schuhen vor allem Tango liebt und so manches Chaos anzieht. Als die beiden dank dieser Eigenschaft gezwungen sind, ihre Heimat Hals über Kopf zu verlassen, landen sie unplanmäßig auf einer windgepeitschten Insel vor der Küste Neufundlands. Unterschlupf finden sie in einem Seemannsheim, das von einer Vielzahl schrulliger Charaktere bewohnt wird. Lita freundet sich schnell mit der gehörlosen Tochter der Gastgeber an, der einzigartigen Oona McGregor. Als sie den auf der Insel lang herbeigesehnten Mr. Saito das erste Mal begegnet, der mit seinem Wanderkino Nachrichten aus aller Welt zu ihnen bringt, ahnt Lita nicht, dass er ihr Leben für immer verändern wird.

»Mr. Saitos reisendes Kino« ist eine unvergleichliche Odyssee über das Finden von Familie an unerwarteten Orten, einen Fischerjungen mit bernsteinfarbenen Augen, Herzklopfen, entlaufene Tangoschuhe und die Liebe in all ihren Formen.

 

Druidenerbe 1 – Ruf des Eises

Interview Björn Declan Skorge über Lanevael – Saga des toten Lebens

Björn Skorge hat mit „Lanevael – Saga des toten Lebens“ eine faszinierende Geschichte herausgebracht. Im Interview beantwortet er netterweise ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen.

Die klassische Frage: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee kam aus dem Nichts. Mein Vater kam auf einmal in mein Zimmer, als ich acht Jahre alt war, und fing an, lauter Zeichnungen und Ländernamen anzufertigen, und daraus entwickelten wir dann gemeinsam die Erzählungen und Karten der Landwelt, aka Lanevael. Als ich in die Pubertät kam, geriet Lanevael in Vergessenheit. Mit Anfang des Psychologie-Studiums und Auszug von zu Hause vermischten sich die Eindrücke des Studiums und die Fantasy- und Horror-Literatur, die ich als Twen verschlang, in meinen nächtlichen Träumen mit den Erzählungen der Landwelt, und so begann ich mit einundzwanzig, diese ganzen Ideen aufzuschreiben, die sich im Laufe der Jahre immer mehr verdichteten, sodass schließlich ein Buch daraus entstand.

Wie bist du die Planung angegangen? Hast du vorab Figurenporträts entworfen, die Handlung geplottet?

Rückblick Literarische Veröffentlichungen 2025

Auch 2025 sind wieder eine Reihe von Kurzgeschichten und Kürzesttexten von mir in Anthologien und Literaturzeitschriften erschienen. Hier ein Überblick:

“Neuland” in Westfalen-Anthologie

Cover Mehr als Kirche Kohle Kiepenkerl - 1250 Jahre Westfalen neu erzähltDie Regionalgruppe Münsterland vom VS (Verband der deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller) hat eine Anthologie zum Jubiläum 1250 Jahre Westfalen herausgebracht. Sie heißt “Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl – 1250 Jahre Westfalen neu erzählt”. Von mir ist die Geschichte “Neuland” darin erschienen, in der ein Neumünsteraner in die seltsamen Gepflogenheiten von Speckbrett und Lambertus eintaucht. Herausgegeben von Katja Angenent, Matthias Engels, Alfons Huckebrinck und Frank Lingnau.

Aus dem Klappentext:

Mehr als 35 westfälische Autorinnen und Autoren entfalten mit den Texten in diesem Buch die bewegte Vergangenheit eines Landes und seiner Menschen, stellen (sich) seine Zukunft vor. Sie rücken Bekanntes in ein neues Licht, spüren Unbekanntes auf und entdecken Vergessenes wieder.

“Der Ring” im Prosa:ist:innen-Magazin

Handwerkskasten für Schreibende – Rezension

Stephanie Müller kenne ich von den Mörderischen Schwestern. Nun hat sie ein hilfreiches Handbuch für Schreibende veröffentlicht, die ihre Social-Media-Kanäle geplanter und regelmäßiger mit Inhalten füllen wollen. Sie stellt unterschiedliche Kanäle vor (Instagram, YouTube, Blog), empfiehlt, zunächst mit einem zu beginnen, bevor man sich daran macht, mehrere parallel oder vernetzt zu bearbeiten. Warum sie es überhaupt für sinnvoll hält, dass sich auch Schreibende als One-Person-Show einen Content-Plan erstellen? Weil der einen Überblick verschafft und somit Ruhe und Sicherheit, vor allem, wenn es vorproduzierte Beiträge gibt, die man in ruhigen Phasen erstellen kann. Regelmäßiges Posten erhöht zudem die Sichtbarkeit.

Was passt zu mir als Autor*in?

Sigrid Varduhn über ihre Weihnachtswunder-Geschichtensammlung

Sigrid Varduhn habe ich zuerst als Leiterin von Schreibwerkstätten kennengelernt. Ihre Kurse rund um Kürzestgeschichten, Märchen, Natur und vieles mehr kann ich wärmstens empfehlen!

Bei ihrer Sammlung von Kurzgeschichten „Der Engel ist weg. Kleine Weihnachtswunder“ durfte ich sie dann als Lektorin begleiten. Netterweise hat sie ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen beantwortet.

Du hast mehrere Geschichten in einem Band versammelt. Wie bist du an die Auswahl und Strukturierung herangegangen?

Eine gute Frage. Was für mich in Bezug auf die Auswahl die wichtigste Erfahrung war: Es braucht wesentlich mehr Geschichten, um daraus eine Auswahl für ein Buch zu treffen. Denn auch wenn eine gewisse Unterschiedlichkeit bei den Geschichten ihren Reiz haben kann, muss es eben auch rote Fäden geben, im Inhalt, im Ton. Bei diesem Buch, das du lektoriert hast, war es neben dem inhaltlichen Schwerpunkt auf Adventsgeschichten auch die Leichtigkeit im Ton und dass es in jeder Geschichte so etwas wie eine kleine wundersame Begegnung geben sollte. Und selbst wenn ich vorher geglaubt habe, genügend Geschichten zu haben, sind davon doch etliche wieder „herausgeflogen“, bei denen das nicht so gepasst hat. Und ich habe noch neue geschrieben. Zur Struktur kann ich eigentlich nur sagen: Ich habe die Geschichten so lange hin- und hergeschoben, bis es für mich gepasst hat. Ich muss mir so etwas immer im Vorher-Nachher anschauen und auf mich wirken lassen und dann kann ich entscheiden, ob es passt.

Wo hast du dich übers Selfpublishing informiert? Hast du für andere Schreibende Tipps für Internetseiten, Podcasts o. ä.?

Debüt-Autorin Martina Krause über ihren Unterhaltungsroman

Martina Krause hat ihr unterhaltsames Romandebüt „Urlaub in LochWellness“ herausgebracht. Im Interview beantwortet sie netterweise ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen.

Wie lange schreibst du schon? Welche Entwicklung hat dein Schreiben genommen?

Ich kann da nur mit dem abgedroschenen Satz „Ich schreibe Geschichten, seit ich schreiben kann“ antworten. In der Grundschule mussten wir oft zu sechs vorgegebenen Wörtern jeweils einen Satz bilden. Das war mir zu langweilig. Ich habe nicht nur einzelne Sätze sondern eine in sich abgeschlossene Geschichte daraus erdacht, und meine Lehrerin ermunterte mich, Geschichten zu schreiben. Ich habe z. B. später, als meine Kinder klein waren, deren Streiche oder Missgeschicke in Kurzgeschichten notiert, die ich natürlich nie veröffentlicht habe. Das bleibt in der Familie!

Viel später hat mich ein Schreibworkshop inspiriert, einen Roman in Angriff zu nehmen. Allerdings hat die Lektorin, die den Schreibkurs leitete, mein Buch in der Luft zerrissen, was für mich als Schreibanfängerin so frustrierend war, dass ich das Manuskript in die Schublade verbannt habe. Erst durch die „friendly feedback“-Workshops bei deiner Kollegin Eva Lerche habe ich gesehen, dass es auch anders geht: wohlwollende, unterstützende und konstruktive Kritik zu frischen Texten. Ich habe das Manuskript wieder herausgeholt, überarbeitet und weiter geschrieben und hatte den Mut, in den Workshops bei dir, Eva und Katja einzelne Kapitel vor einer Gruppe vorzulesen. Das Feedback hat mich umgehauen: Es war durchweg positiv und ich wurde ermuntert, es als Buch herauszugeben!

Anthologie der Frankfurter Schreibgruppe Schreibzeit

Als Schreibgruppe eine gemeinsame Anthologie herausgeben? Sicherlich eine spannende und intensive Reise. Netterweise hat die Frankfurter Schreibzeit-Gruppe von Anne Chavez, HaRu Neidhardt, Thomas Ormond und Katharina Wolff ein paar Fragen zu ihrem Schreiben und ihren Veröffentlichungen beantwortet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Auswahl eurer Texte als Anthologie herauszugeben?

In der Schreibgruppe schreiben wir Texte zu spontan gefundenen Stichworten. Die Geschichten, die dabei entstehen, haben – wie wir finden – manchmal durchaus Potenzial, aber die Ausarbeitung, Überarbeitung geht im Alltag unter. Sie werden einfach nicht fertig. Ein Buch zu machen, führt dazu, dass wir uns intensiver mit den Geschichten beschäftigen und sie ordentlich überarbeiten.

Wie habt ihr die Auswahl und Zusammenstellung der Geschichten organisiert?

Das war ein langer und intensiver Diskussionsprozess.