Rückblick Lektorate 2025

2025 durfte ich wieder eine Reihe spannender Projekte für Verlage und für Selfpublisher*innen begleiten. Hier ein Überblick:

Mr. Saitos reisendes Kino

Cover von "Mr. Saitos reisendes Kino" von Annette Bjergfeldt übersetzt von Dagmar Mißfeldt, erschienen bei Harper Collins

Bei Annette Bjergfeldts Roman “Mr. Saitos reisendes Kino” durfte ich das Übersetzungslektorat aus dem Dänischen für den Verlag Harper Collins übernehmen. Es war eine Freude, mit der Übersetzerin Dagmar Mißfeldt erneut zusammenzuarbeiten!

Aus dem Klappentext:

Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt …

So beginnt Litas wundersame Reise mit ihrer schönen Mutter Fabiola, die neben Schuhen vor allem Tango liebt und so manches Chaos anzieht. Als die beiden dank dieser Eigenschaft gezwungen sind, ihre Heimat Hals über Kopf zu verlassen, landen sie unplanmäßig auf einer windgepeitschten Insel vor der Küste Neufundlands. Unterschlupf finden sie in einem Seemannsheim, das von einer Vielzahl schrulliger Charaktere bewohnt wird. Lita freundet sich schnell mit der gehörlosen Tochter der Gastgeber an, der einzigartigen Oona McGregor. Als sie den auf der Insel lang herbeigesehnten Mr. Saito das erste Mal begegnet, der mit seinem Wanderkino Nachrichten aus aller Welt zu ihnen bringt, ahnt Lita nicht, dass er ihr Leben für immer verändern wird.

»Mr. Saitos reisendes Kino« ist eine unvergleichliche Odyssee über das Finden von Familie an unerwarteten Orten, einen Fischerjungen mit bernsteinfarbenen Augen, Herzklopfen, entlaufene Tangoschuhe und die Liebe in all ihren Formen.

 

Druidenerbe 1 – Ruf des Eises

Interview Björn Declan Skorge über Lanevael – Saga des toten Lebens

Björn Skorge hat mit „Lanevael – Saga des toten Lebens“ eine faszinierende Geschichte herausgebracht. Im Interview beantwortet er netterweise ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen.

Die klassische Frage: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee kam aus dem Nichts. Mein Vater kam auf einmal in mein Zimmer, als ich acht Jahre alt war, und fing an, lauter Zeichnungen und Ländernamen anzufertigen, und daraus entwickelten wir dann gemeinsam die Erzählungen und Karten der Landwelt, aka Lanevael. Als ich in die Pubertät kam, geriet Lanevael in Vergessenheit. Mit Anfang des Psychologie-Studiums und Auszug von zu Hause vermischten sich die Eindrücke des Studiums und die Fantasy- und Horror-Literatur, die ich als Twen verschlang, in meinen nächtlichen Träumen mit den Erzählungen der Landwelt, und so begann ich mit einundzwanzig, diese ganzen Ideen aufzuschreiben, die sich im Laufe der Jahre immer mehr verdichteten, sodass schließlich ein Buch daraus entstand.

Wie bist du die Planung angegangen? Hast du vorab Figurenporträts entworfen, die Handlung geplottet?

Rückblick Literarische Veröffentlichungen 2025

Auch 2025 sind wieder eine Reihe von Kurzgeschichten und Kürzesttexten von mir in Anthologien und Literaturzeitschriften erschienen. Hier ein Überblick:

“Neuland” in Westfalen-Anthologie

Cover Mehr als Kirche Kohle Kiepenkerl - 1250 Jahre Westfalen neu erzähltDie Regionalgruppe Münsterland vom VS (Verband der deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller) hat eine Anthologie zum Jubiläum 1250 Jahre Westfalen herausgebracht. Sie heißt “Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl – 1250 Jahre Westfalen neu erzählt”. Von mir ist die Geschichte “Neuland” darin erschienen, in der ein Neumünsteraner in die seltsamen Gepflogenheiten von Speckbrett und Lambertus eintaucht. Herausgegeben von Katja Angenent, Matthias Engels, Alfons Huckebrinck und Frank Lingnau.

Aus dem Klappentext:

Mehr als 35 westfälische Autorinnen und Autoren entfalten mit den Texten in diesem Buch die bewegte Vergangenheit eines Landes und seiner Menschen, stellen (sich) seine Zukunft vor. Sie rücken Bekanntes in ein neues Licht, spüren Unbekanntes auf und entdecken Vergessenes wieder.

“Der Ring” im Prosa:ist:innen-Magazin

Handwerkskasten für Schreibende – Rezension

Stephanie Müller kenne ich von den Mörderischen Schwestern. Nun hat sie ein hilfreiches Handbuch für Schreibende veröffentlicht, die ihre Social-Media-Kanäle geplanter und regelmäßiger mit Inhalten füllen wollen. Sie stellt unterschiedliche Kanäle vor (Instagram, YouTube, Blog), empfiehlt, zunächst mit einem zu beginnen, bevor man sich daran macht, mehrere parallel oder vernetzt zu bearbeiten. Warum sie es überhaupt für sinnvoll hält, dass sich auch Schreibende als One-Person-Show einen Content-Plan erstellen? Weil der einen Überblick verschafft und somit Ruhe und Sicherheit, vor allem, wenn es vorproduzierte Beiträge gibt, die man in ruhigen Phasen erstellen kann. Regelmäßiges Posten erhöht zudem die Sichtbarkeit.

Was passt zu mir als Autor*in?

Sigrid Varduhn über ihre Weihnachtswunder-Geschichtensammlung

Sigrid Varduhn habe ich zuerst als Leiterin von Schreibwerkstätten kennengelernt. Ihre Kurse rund um Kürzestgeschichten, Märchen, Natur und vieles mehr kann ich wärmstens empfehlen!

Bei ihrer Sammlung von Kurzgeschichten „Der Engel ist weg. Kleine Weihnachtswunder“ durfte ich sie dann als Lektorin begleiten. Netterweise hat sie ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen beantwortet.

Du hast mehrere Geschichten in einem Band versammelt. Wie bist du an die Auswahl und Strukturierung herangegangen?

Eine gute Frage. Was für mich in Bezug auf die Auswahl die wichtigste Erfahrung war: Es braucht wesentlich mehr Geschichten, um daraus eine Auswahl für ein Buch zu treffen. Denn auch wenn eine gewisse Unterschiedlichkeit bei den Geschichten ihren Reiz haben kann, muss es eben auch rote Fäden geben, im Inhalt, im Ton. Bei diesem Buch, das du lektoriert hast, war es neben dem inhaltlichen Schwerpunkt auf Adventsgeschichten auch die Leichtigkeit im Ton und dass es in jeder Geschichte so etwas wie eine kleine wundersame Begegnung geben sollte. Und selbst wenn ich vorher geglaubt habe, genügend Geschichten zu haben, sind davon doch etliche wieder „herausgeflogen“, bei denen das nicht so gepasst hat. Und ich habe noch neue geschrieben. Zur Struktur kann ich eigentlich nur sagen: Ich habe die Geschichten so lange hin- und hergeschoben, bis es für mich gepasst hat. Ich muss mir so etwas immer im Vorher-Nachher anschauen und auf mich wirken lassen und dann kann ich entscheiden, ob es passt.

Wo hast du dich übers Selfpublishing informiert? Hast du für andere Schreibende Tipps für Internetseiten, Podcasts o. ä.?

Debüt-Autorin Martina Krause über ihren Unterhaltungsroman

Martina Krause hat ihr unterhaltsames Romandebüt „Urlaub in LochWellness“ herausgebracht. Im Interview beantwortet sie netterweise ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen.

Wie lange schreibst du schon? Welche Entwicklung hat dein Schreiben genommen?

Ich kann da nur mit dem abgedroschenen Satz „Ich schreibe Geschichten, seit ich schreiben kann“ antworten. In der Grundschule mussten wir oft zu sechs vorgegebenen Wörtern jeweils einen Satz bilden. Das war mir zu langweilig. Ich habe nicht nur einzelne Sätze sondern eine in sich abgeschlossene Geschichte daraus erdacht, und meine Lehrerin ermunterte mich, Geschichten zu schreiben. Ich habe z. B. später, als meine Kinder klein waren, deren Streiche oder Missgeschicke in Kurzgeschichten notiert, die ich natürlich nie veröffentlicht habe. Das bleibt in der Familie!

Viel später hat mich ein Schreibworkshop inspiriert, einen Roman in Angriff zu nehmen. Allerdings hat die Lektorin, die den Schreibkurs leitete, mein Buch in der Luft zerrissen, was für mich als Schreibanfängerin so frustrierend war, dass ich das Manuskript in die Schublade verbannt habe. Erst durch die „friendly feedback“-Workshops bei deiner Kollegin Eva Lerche habe ich gesehen, dass es auch anders geht: wohlwollende, unterstützende und konstruktive Kritik zu frischen Texten. Ich habe das Manuskript wieder herausgeholt, überarbeitet und weiter geschrieben und hatte den Mut, in den Workshops bei dir, Eva und Katja einzelne Kapitel vor einer Gruppe vorzulesen. Das Feedback hat mich umgehauen: Es war durchweg positiv und ich wurde ermuntert, es als Buch herauszugeben!

Anthologie der Frankfurter Schreibgruppe Schreibzeit

Als Schreibgruppe eine gemeinsame Anthologie herausgeben? Sicherlich eine spannende und intensive Reise. Netterweise hat die Frankfurter Schreibzeit-Gruppe von Anne Chavez, HaRu Neidhardt, Thomas Ormond und Katharina Wolff ein paar Fragen zu ihrem Schreiben und ihren Veröffentlichungen beantwortet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Auswahl eurer Texte als Anthologie herauszugeben?

In der Schreibgruppe schreiben wir Texte zu spontan gefundenen Stichworten. Die Geschichten, die dabei entstehen, haben – wie wir finden – manchmal durchaus Potenzial, aber die Ausarbeitung, Überarbeitung geht im Alltag unter. Sie werden einfach nicht fertig. Ein Buch zu machen, führt dazu, dass wir uns intensiver mit den Geschichten beschäftigen und sie ordentlich überarbeiten.

Wie habt ihr die Auswahl und Zusammenstellung der Geschichten organisiert?

Das war ein langer und intensiver Diskussionsprozess.

Postkartenkrimis schreiben

Postkartenkrimis sind Kürzestgeschichten, die auf eine Postkarte passen. Dabei funktionieren Kürzestkrimis anders als Kriminalromane. Es ist kein Raum für mehrere falsche Fährten, für ein großes Figurenensemble, für Alibis und Tathergänge, die einer Ermittlung lange standhalten. Bei Postkartenkrimis kommt es eher auf einen Überraschungseffekt am Ende an. Klischees und Humor / Doppeldeutigkeiten funktionieren gut, weil sie schnell Bilder hervorrufen.

Merkmale von Kurzgeschichten, speziell Kurzkrimis

  • offener Anfang: in medias res, keine Vorgeschichte / Erläuterungen
  • wenige Figuren: wenig Beschreibungen, manchmal keine Namen, prägnante Merkmale, ein zentraler Charakterzug, ruhig holzschnittartig
  • Momentaufnahme: entscheidende (Problem-)Situation der Hauptfigur
  • (räumlich) begrenzt: kein Wechsel von Ort und Zeit; oft nicht näher bestimmt – z. B. Gartenhaus, aber kein Stadt-Name o. Abenddämmerung, aber nicht Datum
  • oft lineare Erzählweise (kein Platz für Rückblicke und Zeitsprünge)
  • personale Erzählperspektive (sie/er oder ich)
  • einfacher Satzbau ohne komplexe Nebensatzstrukturen
  • Alltagssprache (gerne mit Dialog) und Doppeldeutigkeiten / Wortspiele
  • offener Schluss: Pointe, oft überraschend, meist nicht auserzählt

Phantastik-Autorin Julie Constantin über ihr Mysteriöses Sammelsurium

Julie Constantin habe ich vor einigen Jahren in einer Kurzgeschichten-Werkstatt am Nordkolleg Rendsburg kennengelernt. Übrigens ein toller Ort mit wunderschönem Garten zum Schreiben und Lernen.

Bei ihrem Band „Das mysteriöse Sammelsurium. 13 phantastische Kurzgeschichten“ durfte ich sie dann als Lektorin begleiten. Netterweise hat sie ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen beantwortet.

Der Titel deiner Sammlung hat mich sofort fasziniert. Besondere Worte wie „Sammelsurium“ mag ich sehr gerne. Um was für eine Art von Phantastik geht es?

Es ist sehr gemischt, weshalb ich es auch „Sammelsurium“ genannt habe. Zwei Steampunk-Geschichten sind dabei, andere gehen mehr ins typische Fantasy-Genre, z. B. dreht sich eine um eine Keks-Hexe, die nur Kekse hexen kann und in einer anderen unterhält sich jemand mit dem Tod. Ansonsten treiben sich unter anderem Drachen, Geister und Figuren wie Rotkäppchen oder die Baba Yaga in den Geschichten herum. Die Storys sind immer phantastisch, aber eben nicht alle aus einem Genre – ein phantastischer Kessel Buntes sozusagen.

Du hast mehrere Geschichten in einem Band versammelt. Wie bist du an die Auswahl und Strukturierung herangegangen?

Fantasy-Autorin Janne Birk über ihr Debüt

Janne Birk habe ich beim Lektorat ihres Fantasy-Debüts „Der Ruf des Eises“ kennengelernt. Netterweise hat sie ein paar Fragen zu ihrem Schreiben und ihren Veröffentlichungen beantwortet.

Der berühmte Elevator-Pitch: Worum geht es in der Geschichte?

Es geht darum, wie aus Entfremdung Konflikte entstehen, in denen das eigentliche Übel aus dem Blick gerät – und um die Kraft von Freundschaft.

Die klassische Frage: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Mich haben zwei Dinge dazu inspiriert.

Zum einen war es das Schwinden der Gletscher in den Schweizer Alpen. Ich bin mit dem Anblick dieser Naturgewalt aufgewachsen. Als Kind dachte ich, sie halten für die Ewigkeit. Irgendwann kam das böse Erwachen. Wie bei vielen Naturphänomenen, die man jahrelang beobachtet. Daraus entstand die Frage: Was wäre, wenn man das Eis zurückrufen könnte?

Zum zweiten habe ich als Historikerin gelernt, wie wichtig verlässliche Quellen sind. Unsere ganze Geschichte basiert darauf. Was also wäre, wenn alle Quellen vernichtet würden?