
Heike Baller kenne ich aus dem Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen. Nun hat sie mit „Mister Bennet“ eine ganz besondere Fortsetzung von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ herausgebracht. Im Interview beantwortet sie netterweise ein paar Fragen zum Schreiben und Veröffentlichen.
Ein provokante Frage zum Einstieg: Was hat uns Jane Austen heute noch zu sagen?
Zum Einen: Ihre „Erfindung“ des „free indirect speech“, also des fast unmerkbaren Wechsels zwischen der Erzählerstimme und der inneren Stimme ihrer Protagonistin, hat die Art, wie danach Romane geschrieben wurden und werden, stark beeinflusst.
Zum Zweiten: Ihre Frauenfiguren machen entscheidende innere Veränderungen durch, die völlig zeitunabhängig sind.
Zum Dritten: Die gesellschaftlichen Fragen, die sie aufwirft, rund um Ehe, Vermögen, Klasse, sind heute nicht vorüber; sie sehen heute nur anders aus. Es ist doch kein Wunder, dass es eine Vielzahl an zeitgenössischen Adaptionen ihrer Geschichten gibt.
Du hast bereits mehrere Bände mit Haiku im Selfpublishing herausgegeben. Wie bist du es jetzt – anders – angegangen, einen Roman zu schreiben?
Die Haiku entstehen tatsächlich im Augenblick, teils im Anblick – von Landschaft usw. Bei dem Roman ist viel mehr Planung nötig. Ich hatte einen Ausgangspunkt – den Schluss – von dem aus ich mir die Geschichte „denken“ musste. Was ist logisch? Was ist psychologisch passend, wenn mehrere Optionen zur Auswahl stehen? So in die Richtung. Viel passiert quasi vor dem eigentlichen Schreiben.
Wie hast du geplant? Hast du vorab die Handlung geplottet? Wie viel hast du dir noch selbst zu den Figuren überlegt, die ja bereits bei Jane Austen angelegt sind?
Wie oben schon erwähnt, habe ich viel an der Geschichte herumgedacht – und musste dann im Schreiben doch noch einiges ändern. Mein zuerst angedachtes Handlungszeitfenster erwies sich als viel zu eng; statt achtzehn Monaten sind es nun über zwei Jahre …
Die Figuren haben sich, durch Änderungen in ihren Lebensumständen angestoßen, weiter entwickelt. Das gilt besonders für die drei Personen, die am Anfang in Longbourn „übrig“ sind.
Wo hast du dich vorab übers Selfpublishing informiert? Hast du Tipps für Internetseiten, Podcasts o. ä.?
Ich hatte ja die Haiku-Bände bereits bei Books on Demand veröffentlicht und bin einfach dabei geblieben.
Als Selfpublisherin bist du für alles alleine verantwortlich. Wie hast du diejenigen gefunden, mit denen zu zusammengearbeitet hast? Im Lektorat, fürs Cover, für den Satz, …?
Da hat unser Netzwerk Texttreff geholfen – für jede Aufgabe finden sich dort Fachfrauen.
Was hättest du vor dem Selfpublishing gerne gewusst? Also, was möchtest du angehenden Selfpublisher*innen mitgeben?
Wenn es um technische Einzelheiten in der Bearbeitung durch andere geht, besonders die Kompatibilität von Programmen, empfiehlt es sich, das im Vorfeld mit allen Beteiligten zu klären. Mit welchem Programm arbeitet die eine oder andere Person? Ist da ein nahtloser Übergang vom einen zum anderen Arbeitsschritt möglich?
Vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke!
Hier findet ihr weitere Informationen über Heike Baller, die auch sehr erleuchtende Workshops zu Recherchen gibt:
- Homepage Literaturblog: https://www.koelner-leselust.de
- Homepage Rechercheaufträge / Workshops: https://www.profi-wissen.de
- Mastodon: https://bildung.social/@Recherchemeisterin
© Foto: Susanne Fern
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