Reißverschlusstexte und Multiple-Choice-Gedichte

Die Schreibwerkstatt von Joachim Fritzsche

Diese Schreibwerkstatt ist eine Grundlagensammlung von Schreibspielanregungen – für Schüler (eher an weiterführenden Schulen) aufbereitet. Für erfahrene Schreibgruppenleiter findet sich hierin nicht viel Neues, wenn man aber berücksichtigt, dass diese Sammlung aus dem Jahr 1989 stammt, ist sie ein schönes Zeugnis der Anfänge von Kreativem Schreiben im Unterricht.

36 Schreibübungen werden vorgestellt, jeweils mit der Aufgabenstellung, einer Erläuterung, möglichen Varianten, Erfahrungen sowie Angaben zum Zeitbedarf und Textbeispielen. Gerade die Erfahrungen und Zeitangaben sind sehr hilfreich für die Planung von eigenen Schreibwerkstätten. Da sich dies nicht so häufig in Ratgeberliteratur findet, ist es ein großer Pluspunkt dieser Sammlung. Für das schmale Heft fallen die Textbeispiele für meinen Geschmack allerdings zu ausführlich aus.

Bei den Angaben zum Zeitbedarf fällt auf, dass keine Übung für unter 30 Minuten angesetzt ist. Schade also, dass kein Zusammenstellen einer Übungseinheit mit kurzen und längeren Übungen möglich ist sowie Angaben, was sich zum Einstieg eignet, was für eine müde Phase usw. fehlen.

Kreatives Schreiben mit Kindern und Jugendlichen

Wenn mehrere Anregungen in einer Gruppe ausprobiert werden, kann man mit den Teilnehmern alle Aspekte von Geschichten behandeln: Es gibt Übungen zu unterschiedlichen Perspektiven, zur Figurenkonstruktion, zum Aufbau von Texten usw. Dieses Rund-um-Paket gefällt mir sehr gut, dass zu den einzelnen Übungen keine Anregungen gegeben werden, wie man sie in diesen größeren (theoretischen) Zusammenhang einordnen kann, fehlt mir.

Schreibwerkstatt-Klassiker wie Reizwortgeschichten  werden hier ohne Material vorgestellt, denn die Schüler sollen zum Beispiel selbst auf bunten Zetteln Personen, Orte und Genre oder Überschriften vorschlagen und an die anderen Teilnehmer weitergeben. Andere Übungen sind weniger bekannt, zum Beispiel Texte anhand von interessanten Namen/Beschreibungen auf Stadtplänen zu entwickeln, oder Reißverschlussgeschichten zu schreiben, bei denen Zettel im Zickzack durch die Gruppe gereicht werden, auf denen immer ein Satz geschrieben, einer ausgelassen, einer geschrieben und beim nächsten Teilnehmer zunächst die Lücke gefüllt und dann weitergeschrieben wird.

 

Mein Fazit zur Schreibwerkstatt von Joachim Fritzsche

Ein schönes Zeugnis einer frühen Sammlung von Schreibwerkstattspielen, die sich nicht nur in Schülergruppen einsetzen lassen (denn Aufgabenstellung und Textmaterial lassen sich meist gut an Erwachsenen-Gruppen anpassen). Eher für Einsteiger als Schreibgruppenleiter geeignet, da viele Klassiker versammelt sind. Hilfreich sind die konkreten Material-, Erfahrungs- und Zeitangaben. Neu für 14,50 Euro eine eher schmale Ausbeute, aber wenn man es gebraucht bekommen kann, auf jeden Fall lohnenswert.

 

Joachim Fritsche: Schreibwerkstatt. Geschichten und Gedichte: Schreibaufgaben, -übungen, -spiele. Unter Mitarbeit von Katrin Bothe und Karl Günter Rammoser. Ernst Klett Schulbuchverlag 1989. ISBN 3-12-306350-X (Werkstatt Literatur. Hrsg. von Rainer Siegle und Jürgen Wolff)

 

Mehr zum Schreiben mit Kindern und Jugendlichen gab es im Gastbeitrag von Andreas Schuster und im Blogartikel vom 21. Juli.

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