
Science-Fiction – nur etwas für Technik- und Alien-Nerds? Auf keinen Fall! Denn auch Subgenres wie Dystopien und Utopien zählen dazu. Oder so beliebte Romane wie „QualityLand“ von Marc Uwe Kling. Sogar Jules Vernes ist ein Vertreter dieses Genres.
Netterweise beantwortet meine Lektoratskollegin Heidrun Launicke Fragen zu dieser Literatursparte. Wir kennen uns aus dem Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V. (VFLL). Heidruns Arbeitsschwerpunkt ist Science-Fiction – und das nicht nur als Lektorin. Auch als Autorin hat sie sich diesem Bereich verschrieben.
Was antwortest du Leuten, die sagen, dass Science-Fiction nichts für sie ist, weil sie sich nicht für Weltraum und Technik interessieren?
Das ist in der Tat oft der Standardsatz. Wenn man real existierende Themen anspricht wie KI, Klimawandel, gesellschaftliche, technische und medizinische Entwicklungen, dann ist das Interesse meistens da. Science-Fiction hat entsprechend viele Ausprägungen in Subgenres, und eigentlich ist für alle etwas dabei, sei es mehr die abenteuerliche Space Opera wie Star Wars oder Dune, gesellschaftskritische Dystopien wie Tribute von Panem oder The Handmaid’s Tale, Erstkontakt-Geschichten wie die von Becky Chambers oder Hard SF wie die sehr wissenschaftlich genaue Darstellung in Der Marsianer von Andy Weir. Gerade war eine Erstkontakt-Geschichte im Kino: Der Astronaut – Project Hail Mary – auch das Thema Aliens ist also durchaus präsent.
Was ist das Besondere beim Schreiben oder Lektorieren von Sci-Fi-Geschichten? Auf was achtest du, was in anderen Genres nicht so relevant ist?
Hierzu kann ich die Fortbildung von Katharina Glück „Science-Fiction im Lektorat“ empfehlen, die zum wiederholten Mal angeboten wird, siehe Spezialisierungen im Lektorat.
In der Fortbildung geht es unter anderem darum, wie sich Science-Fiction von Fantasy abgrenzen lässt, und darum, wie man Technik unterhaltsam erklärt, und was man bei der Beschreibung von Aliens bedenken muss. Ein Alien wird niemals sagen „Ich springe zwei Meter weit“, weil es logischerweise Maßeinheiten wie Meter gar nicht kennt. Das Gleiche gilt für kulturelle Werke unserer Welt etc., über die eben nur Menschen Bescheid wissen. Hinzu kommt die Verlagerung in die Zukunft. Je nachdem, ob es eine Near-Future-Geschichte ist oder ob sie tausende von Jahren in der Zukunft spielt, muss man von einem ganz anderen Stand der Technik ausgehen – wie lange wird es wohl Smartphones geben, bevor man stattdessen vielleicht einen Chip implantiert?
Gibt es einen Roman, den du empfiehlst, wenn jemand ausprobieren möchte, ob Sci-Fi etwas für sie oder ihn sein könnte?
Darf ich jetzt sagen, meinen eigenen? Tatsächlich haben mir Leser*innen in den Rezensionen mehrfach rückgemeldet, dass mein Buch sich gut zum Reinschnuppern ins Genre eignet. Es ist gut verständlich geschriebene Soft-Science-Fiction, also nicht techniklastig, sondern mit einem sozialen Schwerpunkt. Ein junger Mann, unglücklich verliebt, aber mit Träumen und Hoffnungen, freundet sich mit einem neugierigen Alien an, doch seine Spezies will die Menschen nicht auf dem Planeten Rigas haben (warum wohl nicht?). Coming-of-Age-Elemente verbinden sich hier mit Spannung und Abenteuer. Der Titel lautet: DIE ALIENS AUF RIGAS, mein Debütroman unter dem Pseudonym Nova K. Mayer.
Und für Schreibende, die sich im Genre ausprobieren wollen: Gibt es da spezielle Fachlektüre?
Neben der bereits genannten Fortbildung vom VFLL tausche ich mich mit anderen Science-Fiction-Autor*innen aus. Ein spezielles Handbuch zum Genre Science-Fiction kenne ich leider nicht. Es gibt ein Nachschlagwerk von Anette Huesmann „Buchgenres kompakt“, in dem man Informationen zu allen gängigen Genres und ihren Subgenres findet.
Generell ist es gut, viele Science-Fiction-Bücher und Filme zu kennen, denn daraus lernt man schon eine Menge.
Wo hast du dich übers Selfpublishing informiert? Hast du für andere Schreibende Tipps für Internetseiten, Podcasts o. ä.?
Ich hatte von Anfang an persönlichen Kontakt zu anderen Autor*innen, vor allem auf Instagram #bookstagram #autorenaufinstagram und in Schreibgruppen auf Discord. Der Austausch auf diesen Plattformen ist sehr gut.
Außerdem haben auch die Distributoren gute Praxistipps und Infos auf ihren Websites. Bei mir war es Tolino Media, siehe unter dem Stichwort Selfpublishing. Für konkrete Fragen gibt es einen Support.
Direkt vor der Veröffentlichung haben mir der Coverdesigner und die Buchsatzexpertin mit ihrem Know-how beim Hochladen der Dateien geholfen.
Auch der Selfpublisher Verband hat für Mitglieder einen Leitfaden mit Workshops zu allen Phasen des Veröffentlichungsprozesses.
Und natürlich gibt es die vielzitierte Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting.
Was hättest du vor dem Selfpublishing gerne gewusst? Also, was möchtest du angehenden Selfpublisher*innen mitgeben?
- Plane für alles Puffer ein. Fast immer dauert es länger, als man denkt.
- Unterschätze nicht das Marketing. Du erfindest dich und deine Marke ganz neu, was Spaß machen kann, aber auch viel Zeit beansprucht.
- Erwarte nicht, dass sich Ausgaben und Einnahmen gleich decken. Je nach Genre kann das viele Jahre dauern.
- Es gibt immer neue Vorschriften und Gesetze, es wird also nie langweilig.
- Deshalb mein Rat: Verzettele dich nicht, sondern tue das, was dir Freude bereitet.
Wenn du Hilfe brauchst: Als Lektorin berate ich zum Thema Veröffentlichung im Selfpublishing.
Wie bist du eigentlich zum Schreiben und Lektorieren gekommen – und womit hast du angefangen?
Angefangen habe ich vor sechs Jahren mit dem Schreiben. Im Austausch mit anderen war ich zuerst Testleserin. Weil ich da sozusagen in meinem Element war, habe ich die Lektoratsweiterbildungen bei der Akademie der Deutschen Medien gemacht und mich aufgrund der positiven Rückmeldungen entschlossen, hauptberuflich zu lektorieren.
Und was liest du selbst gerade?
Ich lese gerade TALITA von Franziska Szmania, eine Dystopie über ein gnadenloses Fünf-Sterne-Bewertungssystem, in einer Welt, in der die Menschheit um die letzten verfügbaren Ressourcen kämpft.
Bibliographische Angaben zur Vito-vom-Planeten-Rigas-Reihe:
- Für sich lesbarer Band 1) DIE ALIENS AUF RIGAS – ISBN (Print) 9783759226075
- Für sich lesbarer Band 2: DAS SPIEL DER BATYA – ISBN (Print) 9783819464492
- Für sich lesbarer Band 3) folgt (Stand September 2026)
Hier findet ihr weitere Informationen über Heidruns Angebot als Lektorin für fantastische Literatur der Genres Science-Fiction, Fantasy, Horror:
- Internetseite Lektorat: www.lektorat-schreibwege.de/
- Instagram Lektorat: www.instagram.com/lektorat.schreibwege/
- Internetseite Autorin: www.nova-k-mayer.de/
- Instagram Lektorin: www.instagram.com/nova.k.mayer.autorin/
- TikTok Autorin: www.tiktok.com/@novakmayer_autorin
- Dystopie (noch in Arbeit): www.instagram.com/nova_futureworklife/
- © Porträtfoto: Bernd Boecker / Art Pictures Fotografie, Hintergrund via.canva.com, Stars in Night Sky von Tookapic von Pexels
- © Buchcover: Nova K. Mayer
- © Titelbild: Maike Frie
Weitere Interviews mit Autor*innen:
- Antonie Hertlein über ihr Freundschaftsbuch für Trauernde
- Martina Krause über ihren Unterhaltungsroman
- Sigrid Varduhn über ihre Weihnachtsgeschichten-Sammlung
- Fantasy-Autor Neo Helm über seine Halbgott-Trilogie
- Fantasy-Autorin Janne Birk
- Julie Constantin über ihre Kurzgeschichtensammlung
- Anthologie der Frankfurter Schreibgruppe Schreibzeit
- Lara Eliasch über Mileans Erben
