Schreiben mit dem Alltag drumherum

Blogparade “Schreiben trotz Alltag”

Meine geschätzte Kollegin Pia Helfferich hat eine Blogparade initiert: Schreiben trotz Alltag. Ein Thema, das uns allen wohl immer mal wieder begegnet.

  • Wie sich organisieren?
  • Wie Zeit finden?
  • Wie dranbleiben?
  • Wie die Kreativität zwischen all dem Unkreativen, das erledigt werden will, nicht verlieren?

Gerne habe ich mir dazu einige Gedanken gemacht.

Abseits vom Alltag

Das Blöde an diesem Thema ist: Für mich funktioniert Schreiben abseits vom Alltag besser. Vielleicht sogar am besten. Wenn ich mich mit Kolleginnen oder alleine zurückziehe und meine Zeit ausschließlich dem Schreiben widmen kann. Egal, ob einen Tag oder mehrere: Wenn die Ablenkungen durch andere, durch Brot-Jobs oder Haushalt und Familienleben wegfallen, kann ich wunderbar eintauchen. Doch das geht so selten, dass ich natürlich auch anders schreiben muss. Schreiben möchte. Schreibe.

Druck durch Einsendeschluss

Was für mich gut funktioniert, hat Pia Helfferich in einem anderen Blogartikel als ihren teuersten Schreibfehler bezeichnet: Druck durch einen Einsendeschluss. Mir hilft es, zu wissen, dass ich bis zu einem bestimmten Termin einen Text fertig haben muss. Das ist zwar nur ein psychologischer Trick, denn bei Anthologie-Ausschreibungen und Literaturwettbewerben wartet niemand auf meine Geschichte. Aber es funktioniert. Warum das für mich positiver ist, als es bei Pia war: Ich vermute, weil ich hauptsächlich Kurzgeschichten schreibe. Die sind dann, wenn sie einsendebereit sind, tatsächlich auch fertig. Sie können mich nicht als zu sehr überarbeiteter Anfang eines größeren Projektes hemmen.

Für mich kommt hinzu: Ich mag die kreativen Herausforderungen von Ausschreibungen. Themen, Längen, formale Vorgaben – wenn mir ein solcher Rahmen auferlegt wird, fällt es mir häufig leichter, loszulegen.

Schreibbuddys

Gemeinsam mit anderen zu schreiben, motiviert. Pia nennt in ihrem Beitrag Co-Writing und Accountability-Groups. Andere bei der gleichen Tätigkeit zu sehen, hilft mir, dranzubleiben. In Schreibwerkstätten und -gruppen bin ich sehr produktiv. Das ist allerdings eben nicht der Alltag. Hilfreiche Alternative: Online-Verabredungen, die ich sowohl mit einer Schreibpartnerin als auch in unterschiedlich besetzten Gruppen unregelmäßig regelmäßig habe. Genau das wäre ein Punkt, an dem ich es noch stärker in meinen Alltag integrieren könnte: tatsächlich regelmäßig schreiben.

Über Schreibgruppen und wie man sie findet, wie sie sich organisieren lassen, findest du hier einen Blogbeitrag von mir.

Zusatztrick: Bei Online-Konferenzen zum gemeinsamen Schreiben nutze ich ein Kabel-Headset. Das tackert mich sozusagen an den Rechner, zumindest ist die Hemmschwelle höher – gerade bei längeren Schreibsessions –, wiederholt aufzustehen, etwas zu trinken zu holen, ein anderes Notizbuch oder was zum Nachschlagen …

Regelmäßigkeit

Wie bei anderen Tätigkeiten (Sport oder Musik) verbessert man sich auch beim Schreiben nur, wenn man regelmäßig übt. Wenn man Fortschritte sieht – egal, ob man in einem Projekt vorankommt oder sich Handwerkstechniken aneignet – steigert sich auch die Freude am Tun selbst. Bei mir kommt beim Schreiben noch ein weiterer Effekt dazu: Je häufiger ich schreibe, desto mehr beschäftigt sich auch mein Unterbewusstsein damit. Täglich, und wenn auch nur kurz, zu schreiben, hilft dabei, immer regelmäßiger und mehr schreiben zu wollen. Leider geht mir nach Abschluss einer Kurzgeschichte dieser Effekt und diese Regelmäßigkeit regelmäßig 🙂 verloren … Das ist wohl der Nachteil davon, an kürzeren Projekten zu arbeiten, was beim Druck durch Einsendeschlüsse noch ein Vorteil war.

selbstgestrickte Stulpen in Grün-Blautönen mit einem Druckbleistift daraufRituale

Oft werden diese Tipps genannt:

  • einen festen Ort fürs Schreiben suchen (idealerweise einer, an dem man ausschließlich kreativ ist; also ein anderer Ort als für Büroarbeit oder gar ein anderer Rechner – ohne Internetzugang)
  • immer wieder dieselbe Einstimmung wählen (Getränk, Musik, Aufwärmschreibübung, …)
  • feste Accessoires: Mir hilft tatsächlich, die handgestrickten Stulpen einer lieben Kollegin zu tragen, weil ich sie nur beim Kreativen Schreiben trage. Sie stupsen dann mein Unterbewusstsein an.

Belohnungen

In einem Jahr (leider nicht im aktuellen) habe ich sehr viele Tage geschrieben. Nicht immer viel, aber total regelmäßig. Und das lag auch an kleinen grünen Punkten, die ich mir für jeden Tag, an dem ich geschrieben habe, in einen Kalender geklebt habe. Da wollte ich keine großen Lücken sehen. Da wollte ich jeden Monat den vorigen toppen. In Schreibwerkstätten nutzt meine Kollegin Eva-Maria Lerche variantenreiche Aufkleber zur Belohnung: Am Ende einer Schreibeinheit feiern alle ihre Erfolge. Wörter-Anzahl, Absatz-Streichungen, erschriebene Leichen, … Dazu gibt es einen Aufkleber auf den Laptop, ins Notizbuch oder wohin auch immer man ihn möchte.

Was als Belohnung funktioniert, kann für jede und jeden anders sein. Eine Kollegin schenkt sich selbst nach einer bestimmten Zeichenzahl in einem Romanprojekt einen Blumenstrauß. Und hat dann den Ansporn, bis zum Verwelken die nächste Etappe zu schaffen. Damit Belohnungen dazu beitragen, das Schreiben in den Alltag zu integrieren, sollten sie mit irgendetwas Regelmäßigem verknüpft sein.

Fazit

Die Beschäftigung mit dem Thema hat mich motiviert, mich und mein Schreiben noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und leider musste ich feststellen. So fest im Alltag integriert, wie ich es mir wünschen würde, ist es gar nicht …

Und wie funktioniert es bei euch mit dem Schreiben im Alltag? Trotz Alltag? Oder gerade wegen des Alltags? Erzählt gerne in den Kommentaren davon!

2 thoughts on “Schreiben mit dem Alltag drumherum

  1. Pia

    Liebe Maike,
    vielen Dank für diesen Beitrag! Ich freue mich sehr über deine tollen Tipps. Mit den Kurzgeschichten geht es mir genauso: Ich bin glücklich im Schreibflow und schon ist die Geschichte vorbei und ich muss mich mühsam in die nächste reinbohren.
    Gut dass du die Kopfhörer erwähnt hast. Ich muss demnächst neue kaufen und verwerfe jetzt das kabellose Modell.
    Liebe Grüße
    Pia

    • Liebe Pia,
      das freut mich! Schon ein bisschen schräg: Obwohl wir ja alle total begeistert vom Schreiben sind, brauchen die meisten von uns irgendwelche Tricks, um sich selbst zu überlisten …
      viele Grüße
      Maike

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