{"id":2641,"date":"2020-06-05T06:40:49","date_gmt":"2020-06-05T04:40:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/?p=2641"},"modified":"2023-09-18T18:15:21","modified_gmt":"2023-09-18T16:15:21","slug":"die-10-haeufigsten-fragen-ans-lektorat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/die-10-haeufigsten-fragen-ans-lektorat\/","title":{"rendered":"Die 10 h\u00e4ufigsten Fragen ans Lektorat"},"content":{"rendered":"<p>Wer selbst schreibt, kennt den Begriff Lektorat, dennoch sind viele unsicher, was genau Lektorinnen und Korrektoren f\u00fcr sie tun k\u00f6nnen. Deshalb hier eine \u00dcbersicht \u00fcber die <strong>zehn h\u00e4ufigsten Fragen<\/strong>, die mir in Gespr\u00e4chen mit Schreibenden begegnen.<\/p>\n<p>Wer dazu lieber etwas h\u00f6rt, findet auf dem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCQiej1oKZa4gdgvkufCvh-Q\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">YouTube-Kanal meiner Kollegin Katja Angenent ein Interview<\/a>, in dem sie mir ganz viele Fragen rund ums Lektorat stellt.<\/p>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Bleistiftspitzen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-245 alignleft\" src=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Bleistiftspitzen-300x243.jpg\" alt=\"Bleistiftspitzen-von-M\u00fcnsters-Schreibwerkstatt\" width=\"300\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Bleistiftspitzen-300x243.jpg 300w, https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Bleistiftspitzen.jpg 641w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>1. Was geh\u00f6rt eigentlich zu einem Lektorat &#8211; und was unterscheidet es vom Korrektorat?<\/h2>\n<p>Im Lektorat wird intensiv am Text gearbeitet: <strong>Anmerkungen zur inneren Logik des Textes, zum Aufbau, zum Stil, zur Figurenzeichnung, zu den Dialogen<\/strong> usw. Hierf\u00fcr gibt es mehrere passende Zeitpunkte:<\/p>\n<ul>\n<li>w\u00e4hrend des Schreibprozesses, falls der Autor oder die Autorin kontinuierliche R\u00fcckmeldungen w\u00fcnscht<\/li>\n<li>wenn das Manuskript fertiggestellt ist<\/li>\n<li>als Manuskriptberatung, wenn eine Entscheidung dar\u00fcber ansteht, welche Projekte weiter verfolgt werden sollen, wof\u00fcr sich ein Text eignet usw.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einem gr\u00fcndlichen Lektorat sollte immer noch ein Korrektorat folgen, weil oft noch so intensiv am Text gearbeitet wird, dass ein Buchstabendreher hinein- und manchmal etwas aus den S\u00e4tzen herausger\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenn ein Text fertiggestellt ist, das Lektorat und die \u00dcberarbeitungsprozesse abgeschlossen sind, der Abgabetermin vor der T\u00fcr steht oder ein Autor keine tieferen Eingriffe mehr m\u00f6chte, dann ist ein Korrektorat genau passend, denn es werden die <strong>Fehler korrigiert<\/strong>. Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Satzbau \u2013 all das geh\u00f6rt zu einem <strong>Korrektorat<\/strong>. Im Titelbild steckt also ein Korrektorat &#8211; das Lektorat bietet hingegen noch viel mehr &#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Lektorat werden Fehler nat\u00fcrlich auch immer korrigiert, aber darauf liegt nicht das Hauptaugenmerk. Und bei der Konzentration auf Inhalt und Handwerk k\u00f6nnen immer Fehler durchrutschen. Es ist also sinnvoll, Lektorat und Korrektorat in getrennten Schritten zu erledigen. Bevor ein Text ins Lektorat geht, sollte allerdings auch ein eigener Korrekturdurchgang erfolgen &#8211; denn nur so kann sich die\/der LektorIn ganz auf Inhalt und Handwerk konzentrieren &#8230;<\/p>\n<h3>Und ein \u00dcbersetzungslektorat?<\/h3>\n<p>Ein \u00dcbersetzungslektorat ist ein spezielles Lektorat. Dabei hat die\/der LektorIn neben der \u00dcbersetzung auch das Originalmanuskript im Blick. Gearbeitet wird weniger am Grundger\u00fcst der Geschichte \u2013 denn das ist ja schon in der Originalsprache ver\u00f6ffentlicht -, sondern an einer stimmigen \u00dcbersetzung. Sind die Begriffe \u00fcberall gleich \u00fcbernommen? Ist da eine Formulierung aus der Ursprungssprache im Deutschen gelandet, die wir idiomatisch nicht verwenden w\u00fcrden?<\/p>\n<p>\u00dcber ein Beispiel habe ich auch schon im Blog geschrieben: <a title=\"Aus dem Lektorat: Odinskind\" href=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/aus-dem-lektorat-odinsbarn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Rabenringe von Siri Pettersen<\/a>.<\/p>\n<h2>2. Was kostet ein Lektorat?<\/h2>\n<p>Eine schwierige Frage. Die typische LektorInnenantwort: Kommt darauf an.<\/p>\n<p>Es kommt auf den <strong>Manuskriptumfang<\/strong> an, auf dessen <strong>Qualit\u00e4t<\/strong> und auch darauf, <strong>welche Leistungen<\/strong> genau vereinbart werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Sollen zum Beispiel Recherchen zur \u00dcberpr\u00fcfung \u00fcbernommen werden oder reicht ein kurzer Hinweis auf solche Stellen?<\/li>\n<li>Soll es nach der \u00dcberarbeitung durch die\/den AutorIn noch einen zweiten Lektoratsdurchgang geben? Oder eine ausf\u00fchrliche pers\u00f6nliche Besprechung?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Generell l\u00e4sst sich sagen, dass es mit einem einfachen Lesen nicht getan ist. Ein Lektorat bedeutet Arbeit: Konzentriertes Lesen, Dinge nachschlagen, \u00fcber Formulierungen gr\u00fcbeln, Erl\u00e4uterungen zum Schreibhandwerk in die Kommentare schreiben usw. Die Stundens\u00e4tze, die einzelne KollegInnen veranschlagen, sind unterschiedlich, ebenso die letztendliche Textmenge, die in einer Stunde bearbeitet werden kann. Das k\u00f6nnen mal zw\u00f6lf Normseiten pro Stunde sein &#8211; aber auch nur zwei oder drei. So ergibt sich bei einem durchschnittlichen Romanmanuskript von 250 Seiten schnell eine vierstellige Summe. Manche KollegInnen vereinbaren auch Seitenpreise &#8211; wobei jedoch \u00e4hnliche Gesamthonorare herauskommen.<\/p>\n<p>Um die <strong>Kosten f\u00fcr ein Lektorat zu minimieren<\/strong>, ist es gut, die eigenen Texte so weit wie m\u00f6glich, vorher selbst zu \u00fcberarbeiten. Dazu<strong> ein paar grundlegende Tipps<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>liegenlassen<\/strong> &#8211; so wird einem der eigene Text wieder fremder<\/li>\n<li><strong>Formatierung \u00e4ndern<\/strong>: auf einem anderen Ger\u00e4t, mit anderer Schrift, abweichender Seitenformatierung, als Ausdruck lesen<\/li>\n<li>sich selbst <strong>laut vorlesen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Rechtschreibpr\u00fcfung<\/strong> des Schreibprogramms nutzen<\/li>\n<li>die <strong>eigenen Baustellen<\/strong> notieren (Welche Fehler unterlaufen mir immer wieder?) und \u00fcberpr\u00fcfen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unter 8. &#8211; typische Fehler &#8211; gibt es Hinweise auf kleinteiligere M\u00f6glichkeiten, die eigenen Geschichten zu \u00fcberarbeiten. Denn irgendjemand muss sich die Arbeit machen, den Text zu \u00fcberarbeiten &#8211; je mehr man selbst davon \u00fcbernimmt, desto weniger muss man beim Lektorat bezahlen. Abgesehen davon hilft es, wenn man sich beim Lektorat auf den Inhalt konzentrieren kann und nicht erwartet wird, dass man nebenbei grobe Schnitzer oder Rechtschreibfehler oder Formatierungen mit \u00fcberarbeitet. Und davon haben auch die Schreibenden wieder mehr!<\/p>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Anspitzen-3-e1476374988946.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1470 alignleft\" src=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Anspitzen-3-300x267.jpg\" alt=\"M\u00fcnsters-Schreibwerkstatt:-Kreatives-Schreiben-f\u00fcr-Einsteiger-und-Erfahrene-die-K\u00f6pfe-rauchen-und-die-Anspitzer-qualmen\" width=\"300\" height=\"267\" \/><\/a>3. Wer gibt Lektorate in Auftrag?<\/h2>\n<p>Alle, die ihre Texte und Schreibf\u00e4higkeiten voranbringen m\u00f6chten! Bei mir sind es haupts\u00e4chlich:<\/p>\n<ul>\n<li>AutorInnen vor der Agentur- oder Verlagssuche<\/li>\n<li>Schreibende, die ihre Schreibtechnik entwickeln m\u00f6chten<\/li>\n<li>AutorInnen, die Geschichten f\u00fcr Ausschreibungen\/Wettbewerbe \u00fcberarbeiten<\/li>\n<li>SelfpublisherInnen<\/li>\n<li>Verlage<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>4. In welchem Schreibstadium ist ein Lektorat sinnvoll?<\/h2>\n<p>Manche Autoren freuen sich \u00fcber Unterst\u00fctzung im Schreibprozess. Erfahrene Lektoren begleiten von der Ideenfindung \u00fcber die Materialsuche und Kapitelstrukturierung bis zum Schreiben. Auch f\u00fcr die Entscheidung, welches Schreibprojekt sinnvoll weiterverfolgt werden soll, kann ein Lektorat hilfreich sein. H\u00e4ufig wird eine solche Begleitung <strong>Schreibcoaching<\/strong> genannt. Das kann bei pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen, per telefonischem oder via E-Mail-Austausch geschehen.<\/p>\n<p>Andere wenden sich mit einem fertigen Manuskript &#8211; egal ob einzelne Kurzgeschichte, Geschichtensammlung oder Roman &#8211; ans Lektorat. Wichtig ist immer, individuell zu vereinbaren, welche Leistungen gew\u00fcnscht sind. Deshalb ist es bei einer <strong>Anfrage<\/strong> f\u00fcr ein Lektorat gut, direkt <strong>einige Informatione<\/strong>n \u00fcber den zu bearbeitetenden Text mitzuschicken:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Stadium des Textes<\/strong> (erst teilweise geschrieben, Rohfassung, \u00fcberarbeitete Fassung, \u2026)<\/li>\n<li>(geplante) <strong>Zeichenzahl<\/strong> des Gesamttextes<\/li>\n<li><strong>Figuren\u00fcbersicht<\/strong> und -charakterisierungen (falls vorhanden, insbesondere bei umfangreichen Projekten)<\/li>\n<li><strong>Expos\u00e9<\/strong> oder Klappentext oder Handlungs\u00fcbersicht bzw. Zusammenfassung der einzelnen Kapitel (falls vorhanden)<\/li>\n<li>Was ist das <strong>Ziel mit dem Manuskript<\/strong>? Einsendung f\u00fcr einen Wettbewerb, an eine Agentur, an einen Verlag, Selfpublishing, f\u00fcr den eigenen Gebrauch, \u2026<\/li>\n<li>Welche <strong>Erfahrungen<\/strong> hat der\/die AutorIn?<\/li>\n<li>Welche <strong>Lektorats-Schwerpunkte<\/strong> sind gew\u00fcnscht? Z. B. Plot, Sprache, Figurenzeichnung, &#8230;<\/li>\n<li>ein paar <strong>Probeseiten<\/strong> des Manuskriptes, bevorzugt der Anfang<\/li>\n<\/ul>\n<h2>5. Was ist ein Probelektorat?<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich sollte ein Lektorat m\u00f6glichst objektiv sein. Dabei geht es um Handwerkliches und Sprachliches. Dennoch hat jede(r) LektorIn einen eigenen Stil &#8211; sowie alle Schreibenden auch. Deshalb ist es sinnvoll, zun\u00e4chst ein Probelektorat zu vereinbaren. Dies bedeutet, einen Textausschnitt lektorieren zu lassen. So kann man sich kennenlernen und schauen, ob die Arbeitsweisen zueinander passen.<\/p>\n<ul>\n<li>Sind \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge direkt im Text erw\u00fcnscht oder in den Kommentaren?<\/li>\n<li>Sind \u00fcberhaupt \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge gew\u00fcnscht oder nur Hinweise auf Stellen, an denen gearbeitet werden sollte?<\/li>\n<li>Wie viele Erkl\u00e4rungen zum Schreibhandwerk sind sinnvoll?<\/li>\n<li>K\u00f6nnen die Schreibenden mit den Kommentaren etwas anfangen, haben sie das Gef\u00fchl, sich damit im Schreiben weiterzuentwickeln?<\/li>\n<li>M\u00f6gen die Schreibenden die Art, wie Kommentare formuliert sind? Wie tief m\u00f6chten sie \u00fcberhaupt in den Text einsteigen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Probelektorate sind unverbindlich, das hei\u00dft, danach k\u00f6nnen sich beide Seiten frei entscheiden, ob sie weiter &#8211; zum Beispiel f\u00fcrs Gesamtmanuskript &#8211; zusammenarbeiten m\u00f6chten. Manche KollegInnen bieten kostenlose Probelektorate an, andere veranschlagen daf\u00fcr ein Pauschalhonorar &#8211; und das ist es auch wert. Denn im Probelektorat bekommt man schon eine Menge Hinweise, was das eigene Schreiben anbelangt.<\/p>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Stifte-in-Kanne-3-Maike-Frie-e1544344523206.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2216 alignleft\" src=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Stifte-in-Kanne-3-Maike-Frie-199x300.jpg\" alt=\"Stifte-in-Kanne-Maike-Frie\" width=\"199\" height=\"300\" \/><\/a>6. Ist das nicht toll, f\u00fcrs Meckern bezahlt werden?<\/h2>\n<p>Na, das muss jede und jeder f\u00fcrs sich selbst entscheiden. Allerdings wird man als LektorIn nicht f\u00fcrs Meckern bezahlt. Ich werde daf\u00fcr bezahlt, Schreibende auf dem Weg zum bestm\u00f6glichen Manuskript zu begleiten. Daf\u00fcr habe ich mich viel mit Geschichten, Schreibhandwerk und dem Buchmarkt besch\u00e4ftigt. Viele von uns Belletristik-LektorInnen haben Sprachen studiert oder ein kulturelles Fach, sich fortgebildet und tauschen sich regelm\u00e4\u00dfig mit KollegInnen aus. Das alles flie\u00dft in die R\u00fcckmeldungen zu den Manuskripten ein. Denn die \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge und Kommentare sind kein Meckern, sondern Hinweise und Erkl\u00e4rungen, wie sich etwas optimieren l\u00e4sst und vor allem auch, warum etwas im Text noch nicht ideal funktioniert. Und LektorInnen weisen auch auf starke Stellen hin. Solches Lob ist ebenfalls ein wichtiger Hinweis darauf, was beim Schreiben schon sehr gut funktioniert, auf welche St\u00e4rken sich Schreibende verlassen k\u00f6nnen: die Dialoge, die Figurengestaltung, die Steigerung der Konflikte, der Satzrhythmus oder &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Ein weiterer typischer Satz: Du liest doch gerne, da kann das doch nicht so viel Geld kosten.<\/h3>\n<p>Ja, es sollte eine Grundvoraussetzung sein, dass LektorInnen gerne lesen. Aber wer sagt, dass die eigene Arbeit keinen Spa\u00df machen darf? Au\u00dferdem bin ich \u00fcberzeugt davon, dass man bessere Ergebnisse abliefert, wenn man etwas gerne tut. Dennoch ist Lektorieren Arbeit. Es steckt eine Menge Fachwissen und Erfahrung dahinter. Und die wollen an den passenden Stellen zu passenden Hinweisen in der f\u00fcr die\/den jeweiligen AutorIn passenden Ansprache formuliert werden.<\/p>\n<h2>7. Brauche ich \u00fcberhaupt ein teures Lektorat &#8211; ich habe doch TestleserInnen?<\/h2>\n<p>Testleserinnen sind toll und wichtig f\u00fcr Schreibende. Sie geben den Eindruck wieder, den sp\u00e4ter &#8220;normale&#8221; LeserInnen auch bekommen k\u00f6nnten. Mit mehreren Testlesenden kann man vollkommen unterschiedliche R\u00fcckmeldungen bekommen &#8211; je nachdem, in welchem Verh\u00e4ltnis sie zur\/m Schreibenden stehen und wie bewandert sie im jeweiligen Genre sind. Und da liegt auch einer der Unterschiede: Testlesende stehen in einem pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnis zu demjenigen oder derjenigen, die\/der das Manuskript geschrieben hat. Sonst w\u00fcrden sie nicht kostenlos (lange) Manuskripte zur Probe lesen. Deshalb sind sie befangen. Oder gnadenlos ehrlich. Auf jeden Fall emotional. Dar\u00fcber muss man sich im Klaren sein und das muss man aushalten k\u00f6nnen, wenn man TestleserInnen anheuert.<\/p>\n<p>Von einer Lektorin oder einem Lektor bekommt man dagegen eine <strong>professionelle R\u00fcckmeldung<\/strong>. Sie sollte immer <strong>objektiv<\/strong> sein. Aufs <strong>Handwerkliche<\/strong> bezogen. Klar begr\u00fcndet. Nicht &#8220;da stimmt irgendwas nicht&#8221;, sondern &#8220;da sind zwei sprachliche Bilder durcheinandergeraten&#8221;. Oder nicht &#8220;die Figur mag ich irgendwie nicht&#8221;, sondern &#8220;die Figur ist als Perspektivfigur vielleicht zu eindimensional angelegt, weil sie nur strahlende Helden-Charakterz\u00fcge hat &#8211; ihr fehlen die Makel, die jemanden liebenswert machen&#8221;.<\/p>\n<p>LektorInnen kennen sich mit Perspektiven aus, mit Erz\u00e4hlzeiten, mit Stilfragen, mit der Sprache, mit Figuren, mit Plotmustern, mit Genres und dem Buchmarkt. Sie k\u00f6nnen gezielt Finger in die Wunden legen &#8211; aber eben auch Verpflasterungshinweise geben. Ihnen geht es nicht darum, die Schreibenden anzugreifen, sondern darum, Hinweise zu geben, wie Schwachstellen im Text ausgemerzt werden k\u00f6nnen. Denn durchs Lektorat soll eine Geschichte besser werden. Aber LektorInnen haben keine pers\u00f6nlichen Ambitionen, sich mit dem Text zu verwirklichen, wollen die M\u00f6glichkeiten der Schreibenden optimal aussch\u00f6pfen.<\/p>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Blume-Notizbuch-Maike-Frie-skriving-Kreatives-Schreiben-scaled-e1591270730235.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2645 size-medium alignleft\" src=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Blume-Notizbuch-Maike-Frie-skriving-Kreatives-Schreiben-scaled-e1591270754657-225x300.jpg\" alt=\"Notizb\u00fccher helfen beim Schreiben ...\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Blume-Notizbuch-Maike-Frie-skriving-Kreatives-Schreiben-scaled-e1591270754657-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Blume-Notizbuch-Maike-Frie-skriving-Kreatives-Schreiben-scaled-e1591270754657-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Blume-Notizbuch-Maike-Frie-skriving-Kreatives-Schreiben-scaled-e1591270754657.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>8. Was sind denn typische Fehler in Manuskripten?<\/h2>\n<ol>\n<li><strong>Zu schnell mit dem Text rausgehen.<\/strong> Schreiben und \u00dcberarbeiten sollten zwei getrennte Phasen sein. Die erste ist eher intuitiv kreativ, die zweite geordnet und mit einem kritischen Blick aufs eigene Schaffen. Und beide sollte man &#8211; in geb\u00fchrendem Abstand &#8211; durchlaufen haben, bevor man eine Geschichte rausgibt.<\/li>\n<li><strong>Zu stereotype Figuren.<\/strong> Eine strahlende Heldin ohne negative Charakterz\u00fcge. Ein widerliche Schurke ohne einen Funken Liebensw\u00fcrdigkeit. Jemand, der alle Klischees seines Berufs erf\u00fcllt. Jemand, der nur im Text ist, um eine bestimmte Funktion auszuf\u00fcllen.<\/li>\n<li><strong>H\u00f6lzerne Dialoge.<\/strong> Entweder zu nah an echten Gespr\u00e4chen mit gegenseitigen Best\u00e4rkungen und Floskeln oder zu k\u00fcnstlich. Manchmal erz\u00e4hlen sich Figuren Dinge, die alle Beteiligten wissen &#8211; nur die Lesenden nicht, denen diese Informationen auf diese Weise untergejubelt werden sollen. Ausufernde Redeeinleitungen abseits von &#8220;sagte er\/sie&#8221; st\u00f6ren auch h\u00e4ufig.<\/li>\n<li><strong>Statische Formulierungen.<\/strong> Dazu am besten alle S\u00e4tze, in denen Formen von &#8220;sein&#8221; vorkommen, \u00fcberpr\u00fcfen. Viel kann man durch aktivere T\u00e4tigkeiten ersetzen.<\/li>\n<li><strong>Zu viele Adjektive, Adverbien und Verlaufsformen.<\/strong> Die sollte man bewusst und gezielt einsetzen, denn mehrere hintereinander schw\u00e4chen sich gegenseitig. Nat\u00fcrlich immer eine Stil- und Genrefrage, aber entscheidend ist immer, dass man sich beim Schreiben die Frage stellt: M\u00f6chte ich wirklich, dass dieses Wort dort steht oder ist es nur aus Bequemlichkeit im ersten Entwurf dorthin geraten?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mehr dazu, wie man die Schwachstellen in eigenen Texten aufsp\u00fcrt und diese bearbeiten kann, habe ich in einem <a title=\"Selbstlektorat \u2013 Wie \u00fcberarbeite ich meine eigenen Texte?\" href=\"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/selbstlektorat-wie-ueberarbeite-ich-meine-eigenen-texte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrag zum Selbstlektorat<\/a> beschrieben.<\/p>\n<h2>9. Welche Qualifikationen hat eine Lektorin oder ein Lektor eigentlich?<\/h2>\n<p>Das ist sehr unterschiedlich. Einen einheitlichen Weg, eine verbindliche Berufsausbildung oder ein Studium gibt es nicht. Viele KollegInnen in der Belletristik haben ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert, Verlagserfahrung und\/oder schreiben selbst. Bei mir hat sich der Weg ins Lektorat \u00fcber ein Skandinavistik-, Germanistik- und Kulturmanagement-Studium ergeben. Im <a href=\"https:\/\/www.vfll.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Berufsverband der freien Lektorinnen und Lektoren<\/a> (VFLL) bilde ich mich regelm\u00e4\u00dfig fort und an der <a href=\"https:\/\/www.medien-akademie.de\/seminarkategorie\/seminare\/freies-lektorat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Akademie der Deutschen Medien<\/a> habe ich das Zertifikat \u201eFreie Lektorin (ADM)\u201c erworben.<\/p>\n<h2>10. Arbeiten alle LektorInnen dasselbe?<\/h2>\n<p>Nein. Es bearbeiten nicht einmal alle LektorInnen belletristische Texte. Auch Werbeflyer, Firmenbrosch\u00fcren, Plakate, Sach- und Fachb\u00fccher sowie Zeitschriften und Lehrmaterialien bed\u00fcrfen einer gr\u00fcndlichen Text\u00fcberpr\u00fcfung. Da entwickeln alle LektorInnen ihre eigenen Schwerpunkte. Auch deshalb ist es wichtig, sich genau umzuschauen und herauszufinden, wer gut zum eigenen Schreiben passt. Ich zum Beispiel arbeite nur mit belletristischen Texten, weil ich damit sowohl als Lektorin als auch als Autorin und Schreibwerkst\u00e4ttenleiterin jahrelange Erfahrung habe. Im Laufe der Zeit haben sich einige Schwerpunkte herausgebildet:<\/p>\n<ul>\n<li>Fantasy<\/li>\n<li>Jugend-\/Kinderbuch<\/li>\n<li>Skandinavien<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Genres bearbeite ich jedoch nicht ausschlie\u00dflich, sondern bin auch in anderen Bereichen der Belletristik unterwegs. Falls etwas nicht zu mir passt, kenne ich erfahrene Kolleginnen aus verschiedenen Netzwerken, die ich gerne empfehle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Erfahrungen habt ihr mit Lektoraten gemacht? Ich freue mich \u00fcber Kommentare! Und auf weitere Fragen antworte ich auch gerne!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer selbst schreibt, kennt den Begriff Lektorat, dennoch sind viele unsicher, was genau Lektorinnen und Korrektoren f\u00fcr sie tun k\u00f6nnen. Deshalb hier eine \u00dcbersicht \u00fcber die zehn h\u00e4ufigsten Fragen, die mir in Gespr\u00e4chen mit Schreibenden begegnen. 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