{"id":1199,"date":"2016-07-28T08:23:09","date_gmt":"2016-07-28T06:23:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/?p=1199"},"modified":"2016-07-28T21:49:45","modified_gmt":"2016-07-28T19:49:45","slug":"stephen-king-ueber-das-leben-und-das-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/stephen-king-ueber-das-leben-und-das-schreiben\/","title":{"rendered":"Stephen King \u00fcber Das Leben und das Schreiben"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Wenn Sie Schriftsteller werden wollen, m\u00fcssen Sie vor allem zweierlei tun: Viel lesen und viel schreiben.<\/p><\/blockquote>\n<h2><\/h2>\n<h2>Rezension zu Stephen Kings <em>Das Leben und das Schreiben<\/em><\/h2>\n<p>Von Stephen Kings Mischung aus Autobiographie und Schreibratgeber sind \u2013 vollkommen zurecht! \u2013 sehr viele begeistert. Auch ich bin gerne Kings Lebensweg gefolgt und habe Einblicke in seinen Schreiballtag gewonnen. \u201eDas Leben und das Schreiben\u201c ist wie seine Romane leicht lesbar; seine Tipps und Hinweise erfinden das Schriftsteller-Rad nicht neu, best\u00e4tigen aber aus der Sicht eines erfahrenen Praktikers die \u2013 manchmal eher theoretischen \u2013 \u00dcberlegungen vieler Schreibratgeber. Eine unbedingte Empfehlung meinerseits!<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Dies ist ein kurzes Buch, denn B\u00fccher \u00fcber das Schreiben sind voller Bl\u00f6dsinn. Belletristikautoren, ich eingeschlossen, haben keine gro\u00dfe Ahnung davon, was sie eigentlich tun.<\/p><\/blockquote>\n<h2><\/h2>\n<h2>Was Stephen King mit Juli Zeh gemeinsam hat<\/h2>\n<p>Darin, dass Autoren sich nicht \u00fcbers Schreiben auslassen sollten, ist sich King \u00fcbrigens mit Juli Zeh einig, die bei ihrer Frankfurter Poetikvorlesung 2013 auch zun\u00e4chst sagte, Autoren k\u00f6nnten keine Poetikvorlesung halten. Meine Rezension zu ihrem \u201eTreideln\u201c gab es im Juni.<\/p>\n<p>Worin sich die beiden noch einig sind:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSchreibe bei geschlossener T\u00fcr, \u00fcberarbeite bei offener T\u00fcr.\u201c Mit anderen Worten: Am Anfang geh\u00f6rt die Geschichte einem selbst, aber am Ende geht sie hinaus in die Welt. Sobald man wei\u00df, wie die Geschichte aussehen soll, und man sie (so gut man kann) hinbekommt, geh\u00f6rt sie jedem, der sie lesen will. Oder sie kritisieren will.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Juli Zeh sagt, dass sie zun\u00e4chst zum Schreiben einen gesch\u00fctzten Raum (sie nennt es ein \u201eNur-So\u201c) braucht, um Schreiben zu k\u00f6nnen. Und was Leser hinterher darin sehen, liegt ohnehin nicht in der Hand des Autors. Worin sie sich jedoch uneinig sind, ist, dass Zeh die Leser beim Schreiben komplett ausblendet, wohingegen sich King einen idealen Leser (in seinem Falle seine Frau) vorstellt, dem der Text sp\u00e4ter gefallen soll.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Schreibprozess und Schreibumgebung<\/h2>\n<p>King beschreibt seinen Schaffensprozess ebenso detailliert wie seine \u00dcberarbeitungsphasen. F\u00fcr elementar erachtet er es, Abstand zum eigenen Text zu gewinnen, bevor man ihn selbst \u00fcberarbeiten kann, damit man ihn m\u00f6glichst unvoreingenommen wie ein fremder Leser betrachten kann. F\u00fcr King geh\u00f6rt K\u00fcrzen beim Schreiben grundlegend dazu, denn das Langweilige soll rausgestrichen, das Tempo erh\u00f6ht werden. Als Beispiel nennt er Vorgeschichten, die er f\u00fcr gr\u00f6\u00dftenteils uninteressant h\u00e4lt \u2013 und die somit rausfliegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Spannend sind Kings Gedanken zur idealen Schreibumgebung: Seine ersten Geschichten als Erwachsener hat er unter zeitlich und r\u00e4umlich sehr beengten Bedingungen geschrieben und sich \u2013 wie vermutlich beinahe jeder Schreibende \u2013 gedacht, wenn er erst einmal einen riesigen Schreibtisch, viel Ruhe und ausreichend Zeit habe, dann \u2026 Und dann stellt er fest, dass er an einem riesigen Schreibtisch und in Ruhe gar nicht schreiben kann, sondern seinen Alltag und die St\u00f6rungen seiner Familie braucht: \u201eSchlie\u00dflich ist es das in die Schale eindringende Staubkorn, das in der Auster zur Perle wird, und nicht Seminare \u00fcber Perlenherstellung mit anderen Austern.\u201c Eine Ermutigung (und ein Tritt in den Hintern des inneren Schweinehundes) f\u00fcr alle, die glauben, wenn sie erst ideale Bedingungen h\u00e4tten, w\u00fcrden sie ideale Texte liefern.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Kings Werkzeugkasten<\/h2>\n<blockquote><p>Um gut zu schreiben, muss man die Grundlagen beherrschen (Wortschatz, Grammatik, Stilistik)<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Grundlagen bezeichnet King als einen Werkzeugkoffer mit mehreren Ebenen, den ein Autor immer dabei haben solle. Man braucht nicht f\u00fcr jede Arbeit jedes Werkzeug, das sich darin befindet, weshalb es \u00fcberfl\u00fcssig erscheint, ein so schweres St\u00fcck stets bei sich zu tragen, aber da man nie wei\u00df, was auf einen zukommt, h\u00e4lt er es f\u00fcr sinnvoll, f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten gut ger\u00fcstet zu sein. In seinem Werkzeugkoffer finden sich folgende Werkzeuge:<\/p>\n<p>Auf der obersten Ebene liegen die allt\u00e4glichen Werkzeuge, als gebr\u00e4uchlichstes der Wortschatz sowie die Grammatik. In der Schublade darunter liegen die Stilelemente der Sprache (er bevorzugt eine einfache, klare Sprache \u2013 m\u00f6glichst ohne Adverbien, mit wenigen Adjektiven und nur den klassischen Redeeinleitungen) inklusive Absatzgestaltung und damit Lesefreundlichkeit, Tempo und Rhythmus eines Textes. Auf der dritten Ebene werden diese Elemente zusammengef\u00fcgt, damit ein Roman entsteht.<\/p>\n<blockquote><p>Meines Erachtens setzen sich Geschichten und Romane aus drei Elementen zusammen: Die Erz\u00e4hlung spinnt den Faden von A zu B und schlie\u00dflich zu Z, die Beschreibung erschafft f\u00fcr den Leser eine sinnlich wahrzunehmende Realit\u00e4t, und der Dialog haucht den Figuren mittels ihrer Sprache Leben ein. Vielleicht fragen Sie sich, wo denn die Handlung bleibt. Die Antwort lautet (meine wenigstens): nirgends. [\u2026] Aus zwei Gr\u00fcnden misstraue ich vorfabrizierter Handlung: Erstens kommt sie in unserem Leben nicht h\u00e4ufig vor [\u2026] und zweitens bin ich der Meinung, dass sich eine vorskizzierte Handlung nicht mit der spontanen Entstehung von Texten vereinbaren l\u00e4sst. [\u2026] Ich bin \u00fcberzeugt, dass sich Geschichten in erster Linie selber erschaffen. Der Schreiber hat die Aufgabe, ihnen einen Ort zur Verf\u00fcgung zu stellen, an dem sie sich entwickeln k\u00f6nnen, und sie nat\u00fcrlich schriftlich festzuhalten. Geschichten sind Fundst\u00fccke, wie Fossilien im Boden. [\u2026] Die Aufgabe des Schriftstellers ist es, jede Geschichte mit den Instrumenten seines Werkzeugkastens so unbesch\u00e4digt wie m\u00f6glich aus dem Boden zu heben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem Thema Beschreibungen besch\u00e4ftigt sich King ebenfalls genauer:<\/p>\n<blockquote><p>Die Beschreibung l\u00e4sst den Leser mit allen Sinnen an der Geschichte teilhaben. Gekonnte Beschreibung ist erlernbar, einer der Hauptgr\u00fcnde, warum Sie nur dann erfolgreich sein k\u00f6nnen, wenn Sie viel lesen und schreiben. [\u2026] Schwache Schilderungen hinterlassen beim Leser ein konfuses und unscharfes Bild. Zu viel Beschreibung hingegen erschl\u00e4gt ihn oder sie mit Details und Bildern. Der Trick ist, die Goldene Mitte zu finden. W\u00e4hrend Sie Ihren Hauptjob erledigen, das Erz\u00e4hlen einer Geschichte, ist es wichtig zu wissen, was beschrieben und was fortgelassen werden kann. [\u2026] Beschreibung beginnt in der Fantasie des Autors, sollte jedoch in der des Lesers enden.<\/p><\/blockquote>\n<h2><\/h2>\n<h2>Kings Fazit<\/h2>\n<blockquote><p>Es ist wie das Abheben in einem Flugzeug: Man ist am Boden, am Boden, am Boden \u2026 und dann ist man oben, schwebt aus einem Zauberteppich aus Luft und f\u00fchlt sich wie ein Herrscher \u00fcber all das, was man erblickt. [\u2026] Eigentlich geht es nur darum, das Leben derer, die Ihre B\u00fccher lesen, und Ihr eigenes Leben zu bereichern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben interessanten Einblicken in die Schreibpraxis eines sehr erfolgreichen Autors gew\u00e4hrt King ebenfalls recht offenherzig Einblick in seinen Lebensweg: seine vielen Absagen, die er als Schreibanf\u00e4nger erhalten hat (aber auch sein unb\u00e4ndiger Durchhaltewillen), die finanziell schwierigen famili\u00e4ren Anfangsjahre sowie seine Alkohol- und Drogensucht und der schwere Unfall, der einen tiefen Einschnitt f\u00fcr ihn bedeutete.<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber Stephen King auf <a href=\"http:\/\/stephenking.com\/\" target=\"_blank\">seiner eigenen Internetseite<\/a>, auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stephen_King\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a> und auf seinem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/stephenking\" target=\"_blank\">Twitter-Profil<\/a>.<\/p>\n<p>Stephen King: Das Leben und das Schreiben, Heyne 2011 (Originalausgabe On Writing \u2013 A Memoir Of The Craft von 2000), ISBN 978-3-453-43574-2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Sie Schriftsteller werden wollen, m\u00fcssen Sie vor allem zweierlei tun: Viel lesen und viel schreiben. Rezension zu Stephen Kings Das Leben und das Schreiben Von Stephen Kings Mischung aus Autobiographie und Schreibratgeber sind \u2013 vollkommen zurecht! \u2013 sehr viele begeistert. Auch ich bin gerne Kings Lebensweg gefolgt und habe Einblicke in seinen Schreiballtag gewonnen. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1200,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9,33],"tags":[10,6,34],"class_list":["post-1199","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kreatives-schreiben","category-rezensionen","tag-kreatives-schreiben","tag-literatur","tag-rezension"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1199"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1405,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1199\/revisions\/1405"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.skriving.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}