Wochen-Schreibtipps: X wie …

Von den Wörter-Wahrnehmungen der letzten Woche nun zu Textformaten und Sammlungen:

X wie x-mal

X-mal muss man sein Manuskript nicht überarbeiten, aber dennoch sollte sich jeder, der schreibt, darüber im Klaren sein, dass mit dem letzten Satzzeichen der Erstfassung die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist. Ruhen lassen und dann noch einmal lesen – so könnte der erste Überarbeitungsschritt aussehen. Viele Notizen machen, mit unterschiedlichen Farben markieren, was zur Logik, zu den Figuren, zu sprachlichen Bildern usw. auffällt – und dann überarbeiten. Ruhen lassen und dann noch einmal lesen – ein weiterer Schritt, bei dem kleinteiliger korrigiert werden kann. Dann vielleicht Testleser-Meinungen einholen und einarbeiten, bevor es ins professionelle Lektorat oder zum Agenten/an den Verlag geht.

X wie Xylothek

Wer weiß, was eine Xylothek ist? Das ist eine Holzbibliothek (der Ausdruck kommt von den griechischen Wörtern für Holz und Theke). Darin werden Bestandteile von Bäumen aufbewahrt, wobei die einzelnen Exponate in Holz-Büchern aufgehoben werden. Und was hat das mit einem Schreibtipp zu tun? Zum einen zeigt diese Jahrhunderte alte Tradition, wie wichtig Menschen schon immer Bücher gewesen sind. Zum anderen zeigt dieser Absatz, wie spannend Recherchieren sein kann – wenn man zum Beispiel nach passenden Begriffen mit X für eine Schreibanregungen-Rubrik sucht. Hintergrundwissen gekonnt in literarischen Texten unterzubringen ist eine Kunst – und erhellend für die Leser.

X wie XXL

Einen Roman könnte man als XXL-Format beim Schreiben bezeichnen. Manche sagen auch Königsdisziplin, andere benennen zum Beispiel historische Romane eher abwertend als „dicke Schinken“. Auf Norwegisch heißen solche Wälzer übrigens „Mauersteinroman“ – ein für mich passenderer bildlicher Ausdruck, weil die Lektüre manchmal für die Arme und manchmal auch für den Geist so schwer und hart wie ein Ziegel sein kann. An dieser Stelle möchte ich ein wenig für die kleineren Schreibformen werben: Novellen, Kurzgeschichten, aber auch für Miniaturen oder Kürzestgeschichten (davon gibt es sogar eine Reclam-Zusammenstellung!). Das Erfolgserlebnis stellt sich schneller ein, wenn man eine Geschichte tatsächlich abschließen kann; zum Teil kann es auch leichter sein, den Überblick über die eigenen Figuren, Handlungsstränge und Zeiten zu behalten – eben weil der Text sich auf wenige Figuren konzentriert. Damit sei nicht gesagt, dass es viel leichter ist, Kurzgeschichten zu schreiben: Leser verzeihen hier Schnitzer und Ausschweifungen schlechter, es kommt auf jedes Wort an und einen gelungenen Schlussdreh zu finden, damit eine wenige Seiten lange Geschichte rund wirkt, ist nicht unbedingt einfacher. Aber Kurzgeschichten können ein Testfeld sein – die Überwindung, sie anderen zum Lesen zu geben, ist geringer, man kann sie an Literaturzeitschriften und zu Wettbewerben einsenden oder eine eigene Sammlung erstellen. Also, probieren geht über studieren!

 

Und in der nächsten Woche geht es harmonisch und mythologisch weiter.

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