Wochen-Schreibtipp: G…

Trotz Gewehr im Text wird hier nicht scharf geschossen …

G wie Gegensatz

Jede Figur sollte positive und negative Eigenschaften haben, damit sie lebensecht wirkt und für die Leser greifbarer wird, darüber sind sich die meisten Schreibenden und Schreibratgeber einig. Sol Stein schlägt im Schreibratgeber-Klassiker „Über das Schreiben“ vor, jede Figur zunächst mit gegensätzlichen Charakterzügen zu den später dominierenden Merkmalen einzuführen. Also eine Figur, die später machtvoll sein wird, zunächst mit ihren Verwundbarkeiten zeigen und eine Figur, die später verletzt werden wird, zunächst mit ihren Stärken zu zeigen. Beim Lesen ist es sowohl gut, Dinge klar einordnen zu können, als auch Überraschungen zu erleben. Den fiesen Gegenspieler zunächst als Katzenliebhaber einzuführen, könnte so eine gelungene Überraschung sein und erhöht die Fallhöhe im Charakter.

G wie Gewehr

Tschechows Gewehr: Von ihm stammt der Hinweis, dass man kein geladenes Gewehr auf die Bühne stellen dürfe, wenn man nicht vorhabe, es abzufeuern. Gemeint ist damit, dass im Text alle Andeutungen aufgelöst werden sollten, weil die Leser sonst enttäuscht sind. Umgekehrt gilt es jedoch auch: Wenn am Ende Dinge aufgedeckt werden, die vorher nie angedeutet wurden, ist es verschenktes Potenzial, weil Leser gerne intelligent verführt werden.

G wie Gesten

Gesten können Figuren kennzeichnen: Nicht unbedingt das überstrapazierte An-den-Nägeln-Kauen für Nervosität oder das Eine-Strähne-hinters-Ohr-Streichen für Koketterie, aber individuelle Gesten zeichnen Figuren als eigenständige Charaktere aus. Auf diese Weise kann man nicht nur die Figuren individualisieren, sondern auch der Forderung „Show, don’t tell!“ genügen, indem man interpretierende Adjektive durch Gesten ersetzt.

 

Am nächsten Montag geht es unter anderem um die Heldenreise – der Klassiker unter den Hilfen zum Textaufbau.

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