Coworking Spaces

Vom gemeinsamen Arbeiten

Von zu Hause weggehen, zur Arbeit ins Büro, das hat eine ganz eigene Anziehungskraft. Wer aber Einzelkämpfer – in meinem Falle Freiberufler – ist, für den lohnt sich ein eigenes Büro nicht unbedingt. Sei es wegen der geringen Arbeitszeit oder der weiten Wege bis zur nächsten Bürogemeinschaft. Gibt es da keine Alternative? Gleichgesinnte treffen, die ebenfalls arbeiten, aber auch mal Pause machen, und dennoch unabhängig und flexibel bleiben – beim Coworking ist all das möglich.

Vom Jelly zum Space

Wie so vieles ist Coworking eine Idee, die von Amerika herübergeschwappt ist. 2006 hatten in New York zwei Kreative keine Lust mehr, jeden Tag alleine zu Hause zu sitzen, und luden Freunde und Bekannte ein, an einem Tag in der Woche bei ihnen in der WG zu arbeiten. Es wurden immer mehr Begeisterte, neue sogenannte Jellys entstanden in verschiedenen Städten, und bald gab es ganze Büroetagen, in denen FreiberuflerInnen Schreibtische einzeln und zeitweise mieten konnten.

Und so ist das Prinzip auch heute: Ich gehe mit meinem Laptop in einen Coworking Space, kaufe mir ein Stunden-, Tages-, Wochen-, Monats- oder Flexiticket, und schon kann ich losarbeiten.

Coworking Spaces in Deutschland

www.coworkingguide.de führt die meisten Coworking Spaces in Deutschland auf. Wer herumfragt und im Internet sucht, entdeckt aber noch weitere. Insgesamt sind es inzwischen um die 400. Einige BetreiberInnen unterhalten gleich mehrere; zum Beispiel betahaus und ClubOffice, die mit einer Clubkarte die Möglichkeit schaffen, in verschiedenen Städten zu arbeiten.

Die Preise der Coworking Spaces unterscheiden sich recht stark. Viele bieten kostenlose Schnuppertage an. In Leipzig gibt es ein Eltern-Kind-Büro, in dem Eltern sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen und in der freien Zeit arbeiten können – kostenlos, da von der EU und der Stadt gefördert. Ansonsten ist vom Mietpreis von einem Euro für die Beteiligung am freitäglichen Jelly in Heidelberg bis zu 850 Euro netto pro Monat für ein abschließbares Einzelbüro in Hamburg alles dabei. Im ClubOffice ist beim Monatsticket sogar die Hemdenreinigung inklusive. Durchschnittlich zahlt man laut einer Studie von www.deskmag.com in Europa 259 Euro für einen Schreibtisch mit Rund-um-die-Uhr-Zugang. Wo in Europa es überall welche gibt, findet man unter www.coworking-news.de. Weltweit sind es inzwischen übrigens bereits rund 2.500 …

Und was ist das jetzt genau – ein Coworking Space?

Was man für sein Geld bekommt, schwankt von Stadt zu Stadt und von Coworking Space zu Coworking Space. Überall gibt es Arbeitsplätze mit Dach über dem Kopf, eine professionelle Büro-Infrastruktur mit WLAN und Drucker sowie Getränke. Als besondere Angebote finden sich bei einzelnen Anbietern: Einzelbüros, verschieden ausgestattete Besprechungsräume, Eventräume, Werkstätten und Fotoateliers, Lounge-Bereiche, Kaffeeflatrate, Küchen oder sogar Cafés, Kitas, Workshops und Veranstaltungen, Tiefgaragenplätze und Kellerräume, Innenstadtflair, Dachterrassen, Schließfächer und Rollcontainer, große Bildschirme, feste Schreibtische, Rund-um-die-Uhr-Zugang, Nachtarbeit, Post- und Sekretariatsservice, …

Auch die Räumlichkeiten sind sehr verschieden: Vom großzügigen Loft über funktionelle Büroräume auf mehreren Hochhausetagen bis zum gemütlichen Dachgeschoss gibt es fast alles, was das Arbeitsherz begehrt. Ebenso die Größen: Von fünf Arbeitsplätzen in Magdeburg bis fast 200 Arbeitsplätzen auf Tausenden Quadratmetern bei den Riesen-Anbietern.

Geöffnet sind die meisten Coworking Spaces zu normalen Bürozeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr. Wer Einzeltickets bucht, ist auf die „Hausherren“ mit Schlüssel angewiesen, Monatsticketinhaber bekommen meistens einen eigenen Schlüssel und haben damit 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Zugang zu ihrem Schreibtisch.

Neben den normalen Tickets gibt es verschiedene Rabatte (zum Beispiel für Studierende) und immer wieder Aktionsangebote. So gibt es im Sommer manchmal Coworking Cards: Für einen geringen Preis kann man in mehreren Städten, zum Beispiel in Süddeutschland oder NRW, arbeiten.

Wer sind denn diese Coworker?

Die meisten Coworker sind FreiberuflerInnen, oft kreative Köpfe aus den unterschiedlichsten Branchen, Designerinnen, Programmierer, Grafikerinnen, Journalisten, Architektinnen, Fotografen, Beraterinnen, PR-Fachleute, Studierende oder Autoren.

Denn Coworken verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen: Ich brauche nur meinen eigenen Stift oder mein Notebook und kann mich auf mein eigenes Schreiben konzentrieren – wenn ich will. Dabei kann die Nähe zu anderen Kreativen inspirieren, helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden, am Ball zu bleiben und sich einfach gut als Arbeitende unter Arbeitenden zu fühlen. Wenn ich das mal nicht will, kann ich ruhigen Gewissens eine Auszeit nehmen und mit anderen meine Pausen verbringen. Vielleicht ergibt sich über Kaffeetasse und Pizza oder auf dem Sofa in der Lounge ja noch mehr als ein nettes Gespräch, nämlich die Idee für ein gemeinsames Projekt? Schließlich ist das Vernetzen die Grundidee vom Coworken.

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form als persönlicher Erfahrungsbericht über meine Elternzeit 2010 in der Autorenzeitschrift Federwelt.

2 thoughts on “Coworking Spaces

  1. Wenn Sie von zu Hause aus arbeiten, fühlen Sie sich oft isoliert.
    Coworking beseitigt dieses Gefühl der Isolation und erhöht die Produktivität. Das Teilen von Erfahrungen, Ratschlägen und allgemeiner Freundschaft sind auch Vorteile von Coworking Spaces.

  2. Coworking ist der neue Trend, insbesondere für Startups, Freelancer und Selbständige. In Coworking Spaces geht es nicht nur um Arbeit, sondern auch um Atmosphäre. Es ist eine gute Nachricht, dass es eine Vielzahl solcher Orte gibt
    und die Leute haben eine gute Wahl. Wir bei MatchOffice Deutschland helfen auch Menschen Coworking Spaces und andere Arten von Büros zu finden.

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