Herzblatt

Herzblatt-Maike-FrieDie Karten sind gezinkt.
Falk spielt immer nur mit seinen eigenen Karten. Die anderen kennen das schon, dass er stets sein eigenes Deck aus der Tasche holt, egal, bei wem sie sich treffen. Auch bei ihren Fahrten oder in der Kneipe: Ohne seine eigenen Karten ist Falk nicht mit von der Partie. Seit sieben Jahren geht das so, und es macht auch keinen Unterschied, wenn sie statt Doppelkopf mal Siebzehn und Vier oder Rommé spielen.
Jens ist neu dabei. „Vielleicht solltest du mal das Deck wechseln“, sagt er doch tatsächlich zu Falk, als der seine Karten sorgfältig in der gepolsterten Tasche verstaut. „In den letzten Wochen hast du jedes Mal verloren.“
Falk nickt, die anderen grinsen.
„Wochen?“, sagt Lisa, die sich nicht zurückhalten kann. „Das geht seit Jahren so!“
„Eben“, sagt Falk und hängt sich seinen Schal um.
Zu Hause küsst er Jost leicht auf die Schläfe, damit der nicht aufwacht. „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“, flüstert er und schiebt die Karten in die Nachttischschublade.

Auswärtsausschuss – eine Geschichte aus Norwegen

Zwei Schlüsselchen öffnen dir jedes Herz, zwei niedliche, kleine, blanke. Sie heißen Bitte und Danke.

In Pias Hand glänzen vier Schlüssel in der Nachmittagssonne. Sie hasst diesen Spruch, den ihre Mutter sie immer und immer wieder in die Poesiealben zu schreiben gezwungen hat. Wenigstens bei Philipp hätte sie … Aber es ist eben nicht ihre Art, ihrer Mutter zu …
Am meisten hasst sie es, dass ihr jetzt und hier, in dieser Situation dieser Spruch durch den Kopf geht. Nein, der Spruch kann nichts dafür, es ist ihre Mutter, die jetzt und hier nichts zu suchen hat und sich doch wieder einmischt.

Pia pustet sich die Haare aus dem Gesicht und stopft die Schlüssel in ihre Tasche. Die schräg einfallenden Sonnenstrahlen machen den windzerknitterten Wohnheimplan in ihrer Hand nicht gerade lesbarer. Pia muss sich umdrehen, um die richtigen Eingänge erkennen zu können.
Erster Schlüssel:

Tempest – Interview mit Gabi Neumayer

Die Autorin Gabi Neumayer hat mir ein paar Fragen zum „Tempest“ beantwortet, dem Newsletter rund ums professionelle Schreiben für Autorinnen und Autoren. Ich freue mich sehr!

Seit wann gibt es den Tempest?

Der Tempest wurde 1996 gegründet, von Ramona und Thomas Roth-Berghofer und Stefanie Pappon. In Dortmund auf einer Science-Fiction-Convention im selben Jahr habe ich Ramona und Thomas und den Tempest – damals noch als Print-Zeitschrift – kennengelernt, war begeistert und von da an dabei. Da Thomas schon damals sehr Internet-affin war, wurde der Tempest kurz vor der Jahrtausendwende zum Online-Newsletter. Ich hatte damals ja so meine Zweifel, ob das funktionieren könnte, in diesem neuartigen Medium 😉

autorenforum-Newsletter-Banner-Gabi-NeumayerWas ist euer Anliegen heute mit einem monatlichen Schreibnewsletter?

Unser Anliegen ist nach wie vor, all denen praktische Hilfen, Schreibkurse und Profitipps zum Schreiben, zum Veröffentlichen und zu anderen Themen des AutorInnenlebens zu vermitteln, die professionell schreiben möchten.

Welche Rubriken haben sich im Laufe der Jahre etabliert, welche sind beendet, welche aktuell dazugekommen?

Katja Angenent: Autorin aus Leidenschaft – und aus dem Münsterland

Katja Angenent ist eine liebe Netzwerkkollegin, mit der ich gerne für verschiedene Projekte zusammenarbeite, zum Beispiel bei den Textperimenten im Kreativ-Haus im Frühling und beim Schreibmarathon in Eva-Maria Lerches Schreibraum im November. Katja gibt jedoch nicht nur Schreibworkshops, hauptsächlich schreibt sie selbst, lebt als freiberufliche Autorin in Münster. Das Münsterland ist immer wieder Thema in ihren Geschichten. Vor ein paar Wochen ist nun ihr Fantasy-Krimi „Die Elfe vom Veitner Moor“ erschienen. Dazu durfte ich ihr einige Fragen stellen:

Liebe Katja, im Nachwort zur Elfe vom Veitner Moor verrätst du ein bisschen von der Entstehungsgeschichte dieses Romans. Für alle, die das Buch – noch – nicht kennen: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Dazu hat mich tatsächlich das Venner Moor bei dir um die Ecke inspiriert. Ich spazierte eines spätherbstlichen Tages durch das kleine Moor und sagte zu meinem Mann: Da vorne könnte doch supergut eine Leiche liegen. Er meinte, eine Tote im Moor habe es doch schon häufig genug gegeben, worauf ich aus der Toten kurzerhand eine tote Elfe machte. Den Mordfall verlegte ich aus dem Hier und Jetzt in die Fantasywelt von Das Schwarze Auge (DSA), Deutschlands größtem Pen-and-Paper-Rollenspiel. Die Idee gefiel uns beiden so gut, dass wir den Spaziergang sogar noch verlängerten, um weitere Überlegungen zur Geschichte anzustellen. Dass aus der anfänglichen Gedankenspinnerei dann tatsächlich ein Roman wurde, ist etwas, das mir heute fast wie ein Wunder erscheint. Aber manchmal passt es einfach, und eine Anfangsidee lässt einen nicht mehr los …

War dir von Anfang an klar, an welchen Verlag du dich mit diesem Manuskript wendest?

Alice Grünfelder übers Schreiben

Es sind besondere Zeiten, um in Taiwan an einem Roman zu schreiben. Alice Grünfelder, Autorin aus Zürich, erfährt das gerade. Denn ihren seit längerem geplanten Aufenthalt hat sie während des Ausbruchs der Corona-Krise in Asien angetreten. Sie beantwortet netterweise ein paar Fragen.

Alice Grünfelder schreibt in Taiwan, hier DulanLiebe Alice, was kannst du uns über dein aktuelles Schreibprojekt verraten?

Es geht wie so oft in meinen Texten um blinde Flecken in der Gesellschaft und (Zeit-)Geschichte, dieses Mal um Chinesen, die während des Ersten Weltkriegs in Europa waren.

Wie schaffst du es generell, die riesige Informationsflut beim Recherchieren zu kanalisieren? Dass du dich nicht immer tiefer darin verlierst, immer mehr Material ansammelst, sondern die passenden Spuren verfolgst und zu Charakteren und einer Romanhandlung verdichtest?

Märchen-Umschreibungen von Nina Bodenlosz

Im Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen, ist das gegenseitige Bewichteln mit Blogbeiträgen eine gute Tradition. Meine liebe Kollegin Nina Bodenlosz hat mir Fragen rund um ihre Märchen-Umschreibungen beantwortet. Ihr aktuelles Buch, „Dornröschen, wir müssen reden“, habe ich auch Ende 2018 als Weihnachtsgeschenk empfohlen – umso mehr freue ich mich, dass sie uns nun einen Blick hinter die Kulissen ihrer Umschreibungen gewährt:

Seit wann schreibst du Geschichten rund um Märchen? Wie ist es dazu gekommen?

Katarina-Pollner-fotografiert-von-Ruth-FrobeenDas Spiel mit bekannten Motiven und Figuren fasziniert mich schon längere Zeit. Regelmäßig befasse ich mich mit Märchenumschreibungen seit ein paar Jahren. Ich hatte mit einer Runde Autorinnen die Vereinbarung, jede Woche einen (kurzen) Text zu schreiben und den anderen zu schicken. Niemand war verpflichtet, alle sogenannten Montagstexte zu lesen oder zu kommentieren. Die Verabredung sollte lediglich als Motivationsschub dienen. Tatsächlich schrieb ich viel in diesem Jahr, auch wenn das Schreiben schwierig wurde oder viele andere Dinge zu tun waren. Auf der Suche nach wöchentlichen Themen kam ich aufs Märchen. Mit Leichtigkeit und Vergnügen schrieb ich etliche Märchen um – verdrehte die Handlung, änderte die Hauptfigur oder setzte einen neuen Rahmen. Und je mehr Märchen ich mir vornahm, desto mehr faszinierte mich diese Arbeit.

Interview mit der Autorin Katja Angenent

Ich kenne Katja Angenent als Autorin bereits einige Jahre. Sie hat an Schreibwerkstätten von mir teilgenommen und ich habe schon einige Geschichten von ihr gelesen, weil sie auch als Autorin der Münsteraner Schreibgruppe Sem;kolon sehr präsent ist. Seit sie im Schreibraum von Eva-Maria Lerche selbst Schreibabende leitet, bin ich auch Teilnehmerin ihrer Kurse.

Nun ist im Juni ihr erstes eigenständiges Buch erschienen: Die Geschichtensammlung „Die alte Freundin Dunkelheit“ in der edition subkultur des Periplaneta Verlags. Es sind – wie der treffende Untertitel verrät – Schauergeschichten, die mal im historischen Setting, mal in der Gegenwart verortet, à la Stephen King das Grauen in den Alltag der Figuren einbrechen lassen.

Ich freue mich, dass Katja ein paar Fragen zu ihrem Schreiben und zum Veröffentlichen beantwortet hat!

Aus dem Lektorat: Odinskind

Heute ist es erschienen: Das Buch Odinskind aus der Rabenringe-Trilogie von Siri Pettersen. Als Lektorin durfte ich es begleiten und es hat Spaß gemacht, das Original sowie die Übersetzung zu lesen. Odinskind entführt Fantasy-Begeisterte in eine Welt mit Wurzeln in der nordischen Mythologie. Es ist als Jugendbuch für Lesende ab 14 Jahren geeignet, die die Hauptfigur Hirka auf ihrer Suche nach der eigenen Identität begleiten wollen –  in eine Welt, in die Hirka nicht recht zu passen scheint.

Tjark findet was

Beinahe zu spät. Aber noch eben nur beinahe. Tjark zieht die Schnüre hinter sich her. Er stemmt sich in die Seile und zerrt mit seinem ganzen Gewicht daran. Denn nur für Tjarks Kopf zieht Tjark Schnüre hinter sich her, in Wirklichkeit hängt an den Schnüren der Stoff, die Haken und der ganze Kram, ein kompletter Fallschirm eben. Und Tjarks Körper lässt sich nicht so leicht überlisten wie sein Kopf, seine Muskeln haben seinem Verstand die reale Erfahrung voraus, wie so oft.

Tjark hat den Fallschirm unter der Brücke gefunden, ein zwischen Steinen, Grasbüscheln und Dreck eingeklemmtes patschnasses Bündel.