Alles ist relativ

Das Auge ist es, was alles anders macht. Der Fisch liegt mit gebogenem Leib in der Schale, nur sein Kopf schaut über den Rand, der Rücken schmiegt sich in die Salatblätter.

Du greifst immer wieder in die Schale hinein, deine Fingerkuppen gleiten auf den Schuppen hin und her; sie glänzen, als hätte die Fischseele auf sie abgefärbt. Zwischen Blinzeln, Nicken und Lächeln lädst du dir immer wieder eine Handvoll in den Mund; wenigstens sprichst du nicht, sondern tust so, als würdest du mir zuhören.

Aber ich kann nicht mehr erzählen. Meine Worte haben ihren Zusammenhang verloren, als hätte etwas das Netz, das sie sonst aneinanderbindet, zerrissen.

Das erste Mal in deiner Wohnung und du servierst mir Nüsschen in einer Schale aus stilisierten Salatblättern mit Fischkopf als Griff. Das Auge blinzelt mir zu, wenn du mit der Hand an die Schale stößt.

Ich werde nie wieder Nüsschen essen.

 

Ein Kürzesttext von mir – passt zum Artikel über Flash Fiction von Dorothée Leidig.

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